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Wer ist der «Anonymus Destailleur»?

Type of publication Not peer-reviewed
Publikationsform Original article (non peer-reviewed)
Author Kulawik Bernd,
Project Wissenschaftliche Erschliessung frühneuzeitlicher Bauaufnahmen antiker Monumente
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Original article (non peer-reviewed)

Journal Scholion
Volume (Issue) 10
Page(s) 229 - 238
Title of proceedings Scholion

Abstract

In den Akten der Fabbrica di San Pietro in Va- ticano erscheint zwischen 1544 und 1547 unter dem Namen Guielmo franciosio ein Handwerker, dem der überwiegende Teil der Zeichnungen im sogenannten Codex Destailleur D (= Hdz 4151) der Berliner Kunstbibliothek zugeschrie- ben werden kann. Hermann Egger entdeckte 1903 eine Gruppe von Zeichnungen in der Wiener Albertina, die er als Kopien nach den Berliner Blättern ansah. Zur Erinnerung an den Sammler und Architekten Hippolyte Destail- leur schlug Egger vor, die drei Bände in Berlin Codex “Destailleur”, ihren wichtigsten Zeich- ner “Anonymus Destailleur” und den Zeichner der Wiener Blätter “Kopisten des Anonymus Destailleur” zu nennen. Neuere Forschungen bestätigen die Einbindung des “Anonymus De- stailleur” Guielmo in ein weitgespanntes Netz- werk bisher anonymer Zeichner, von denen ca. 700 Blätter mit über 3300 Einzelzeichnungen antiker und zeitgenössischer Bauten Roms er- halten sind. Damit lassen sich diese Architek- turzeichnungen als Ergebnis der vielleicht um- fassendsten jemals systematisch durchgeführten Vermessung römischer Architektur ansehen. Zugleich unterstützt ihre Analyse die Hypo- these, dass die Zeichner zwischen ca. 1537 und 1555 für eine lose Gruppe italienischer und französischer Auftraggeber tätig waren, welche aus der Accademia della Virtù hervorging, jedoch nicht mit dieser identisch war. Ihr umfassendes Projekt wurde durch Claudio Tolomei überlie- fert und sah unter anderem eine Dokumenta- tion aller antiken Bauten Roms vor.
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