Lead
Patienten mit Übergewicht und Diabetes zeigen bei einer Infektion mit SARS-CoV2 besonders schwere Verläufe. Zu erklären ist dies vermutlich mit einer Überaktivierung des IL-1beta-Systems. Denn sowohl metabolischer Stress als auch SARS-CoV2 regen die Sekretion von IL-1beta an, was bei diesen vulnerablen Personen die Mortalität erhöhen kann.

Lay summary

Hintergrund

In allen Phasen eines durch Übergewicht bedingten Typ-2-Diabetes und damit verbundenen Komplikationen ist eine Aktivierung des Immunsystem durch IL-1 festzustellen. Entsprechend hat sich gezeigt, dass IL-1-Antagonisten Verbesserungen beim Blutzucker und bei kardiovaskulären Komplikationen bringen. Mehrere Studien haben ergeben, dass das Coronavirus das NLRP3-Inflammasom stimuliert und damit eine schwere Entzündungsreaktion durch den IL-1beta-Signalweg auslöst. Unsere Hypothese ist deshalb, dass beide Mechanismen gleichzeitig wirken und dies zu einer schädigenden Hyperinflammation führt, wie sie oft bei adipösen Diabetespatienten mit SARS-CoV2 zu beobachten ist.

Forschungsziele

Diese randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Multicenter-Studie soll die Wirksamkeit von Canakinumab im Vergleich zu Placebo bei hospitalisierten, übergewichtigen Patienten mit COVID-19 und Typ-2-Diabetes untersuchen. In die Studie werden Patienten von acht Schweizer Spitälern aufgenommen, die zufällig entweder Canakinumab oder Placebo erhalten, zusätzlich zur Standardversorgung gemäss lokaler Praxis. Diese kann eine antivirale Behandlung (z.B. Remdesivir), Corticosteroide und/oder eine unterstützende Behandlung beinhalten, nicht aber andere immunmodulierende Medikamente.

Erwartete Ergebnisse und Produkte

Wir erhoffen uns günstige Auswirkungen auf die Mortalität der Patienten und auf die Notwendigkeit von Beatmungen und Intensivmedizin sowie die Hospitalisationsdauer. Dies könnte einen Einfluss auf die Behandlung von Patienten mit Diabetes und COVID-19 sowie für andere virale Erkrankungen haben.

Beitrag zur Bewältigung der aktuellen Pandemie

Mit unserem Projekt könnten wir zu besseren Behandlungsmöglichkeiten in der aktuellen Pandemie beitragen. Wir werden auch prüfen, ob vermutete langfristige Komplikationen wie Kurzatmigkeit und Verlust des Geruchssinns durch Canakinumab verhindert werden können. Schliesslich erwarten wir auch eine Bestätigung der positiven Wirkung von Canakinumab und anderen IL-1-Blockern auf den Blutzuckerspiegel, wie dies in früheren Diabetesstudien der Fall war.