Lead
Menschengemachter Klimawandel ist direkt mit einer Änderung des globalen Kohlenstoffkreislaufs verbunden, hervorgerufen durch die Emission von Treibhausgasen, insbesondere von Kohlendioxid und Methan, bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe und einer veränderten Landnutzung. Unser fehlendes Wissen über den Umsatz und Austausch von Kohlenstoff zwischen der Atmosphäre und den terrestrischen sowie aquatischen Ökosystemen ist eine Hauptunsicherheit im Verständnis des globalen Kohlenstoffkreislaufs und seiner Rückwirkung mit dem Klimawandel. Wir benötigen insbesondere eine bessere Kenntnis des Transfers zwischen sich langsam austauschenden Kohlenstoff-Pools (wie z.B. fossilen Brennstoffen und Mineralböden) und der Atmosphäre sowie anderen sich schnell umsetzenden Pools. Das langlebige Kohlenstoffisotop Radiokohlenstoff (14C) bietet ein einzigartige Möglichkeit, den Umfang und die Geschwindigkeit des Kohlenstoffaustauschs zwischen den Kohlenstoffreservoiren zu quantifizieren.

Lay summary
Das Ziel des Sinergia-Projekts Radiokohlenstoff-Inventar der Schweiz (RICH) ist es, Radiokohlenstoff in der Atmosphäre (Kohlendioxid und Methan), in der terrestrische Biosphäre und den Böden sowie in dem aquatischen Kontinuum (Flüsse und Seen) der fünf Ökoregionen der Schweiz zu messen und zu modellieren. Wir werden diese Information nutzen, um den Kohlenstoffaustausch zwischen diesen unterschiedlichen Kompartimenten auf regionaler und nationaler Ebene zu quantifizieren, damit die Änderungen des Kohlenstoffkreislaufs während des industriellen Zeitalters zu bewerten und Richtwerte zu liefern, mit denen zukünftige Änderungen verglichen werden können. Die einzelnen Mitglieder des RICH-Sinergia-Teams werden sich auf unterschiedliche Themen fokussieren, wie das historische und gegenwärtige Radiokohlenstoff-Inventar von Kohlendioxid und Methan in der Atmosphäre, dem Vorrat und der Dynamik von Radiokohlenstoff in Schweizer Böden sowie dem Radiokohlenstoff-Inventar des gelösten und partikulären Kohlenstoffs der wichtigsten Flüsse und Seen der fünf Schweizer Ökoregionen. Die Fülle neuer Radiokohlenstoff-Daten aus diesen Teilprojekten werden in Modellen des Kohlenstoffkreislaufs eingesetzt, welche es erlauben, die Pfade und Dynamiken des Kohlenstoffaustauschs innerhalb von terrestrisch-aquatischen Netzwerken sowie die Quellen von Treibhausgasen zu quantifizieren.

Die Schweiz spürt bereits heute die Auswirkungen des Klimawandels und menschengemachter Störungen, die sich auf verschiedene Weise in den fünf Ökoregionen zeigen. Dieses Projekt wird helfen, diejenigen Kohlenstoff-Pools zu identifizieren, welche am anfälligsten auf den schnellen Wandel reagieren. Durch die Verbindung mit nationalen Umweltbeobachtungsprogrammen sowie der Einbeziehung von politischen Entscheidungsträgern kann diese Information wiederum genutzt werden, um Strategien für die Beurteilung und die Abschwächung der Auswirkungen des Klimawandels zu entwickeln.