Lead
Zwei Begriffe sind zentral sowohl für unsere politische als auch für unsere individuelle Moral: einerseits der Begriff des Rechts, beispielsweise das Recht, die eigene Meinung frei zu äussern; andererseits der Begriff des Wohlergehens, etwa in der Wendung "das Wohl der Schwachen". Das Projekt befasst sich mit der Frage, wie Rechte und Wohl zusammenhängen. Gehört es notwendig zu Rechten, dass damit das Wohl befördert werden soll? Und ist es umgekehrt ein Teil unseres Wohls, dass unsere Rechte geachtet werden?

Lay summary
Einer einflussreichen Theorie zufolge sollen Rechte das Wohl der Rechteinhaber schützen oder befördern. Für viele Rechte ist das durchaus plausibel: das Recht auf Leben beispielsweise schützt die grundlegende Bedingung für jegliches Wohlergehen. Andererseits gibt es jedoch Rechte, für die das nicht ohne weiteres gilt, etwa der Anspruch von Eltern auf Kindergeld oder das Recht einer Richterin, einen Angeklagten zu verurteilen. Daher wollen wir in unserem Projekt die Hypothese untersuchen, dass zwar alle Rechte die Funktion haben, das Wohl zu wahren, dass es sich dabei aber nicht unbedingt um Rechte des Rechteinhabers selbst handeln muss. Kindergeld beispielsweise dient in erster Linie dem Wohl des Kindes, auch wenn die Eltern einen Anspruch darauf haben; und das Recht der Richterin ist begründet im Wohl der Gesellschaft, das durch eine Verurteilung geschützt werden kann. Umgekehrt scheint jedoch die Respektierung unserer Rechte selbst ein Aspekt unseres Wohls zu sein, ganz unabhängig davon, wie diese Rechte ihrerseits zu unserem Wohl beitragen. Diese These, die wir ebenfalls verteidigen wollen, würde darauf hinauslaufen, dass sich das Wohl von Menschen nicht ohne Rückgriff auf ihre Rechte verstehen lässt.