Lead
In der Philosophie bezeichnet «Induktion» das Folgern von allgemeinen aus besonderen Aussagen. Ein wichtiger Teil unseres Denkens besteht aus solchen Schlüssen. Zum Beispiel lernen wir, wenn wir uns zum ersten Mal an einer heissen Herdplatte verbrennen, dass das Berühren von heissen Herdplatten immer schmerzhaft ist. Aus einzelnen Beobachtungen schliessen wir, nach welchen Regeln Vorgänge in der Natur erfolgen, d.h. welches die Naturgesetze sind.

Lay summary
David Hume behauptet, dass die Begründung induktiver Schlüsse problematisch sei. Ein erstes Ziel des Projekts ist, zu klären, worin genau nach Hume das Problem besteht. Meist wird angenommen, dass die Rechtfertigung induktiver Schlüsse problematisch sei. Denn wenn wir unsere alltäglichen Induktionen rechtfertigen sollen, berufen wir uns auf den Grundsatz, dass sich die natürliche Welt immer gleich verhält. Wie aber lässt sich dieser Grundsatz rechtfertigen?

Das Projekt zeigt jedoch, dass es Hume nicht um die Rechtfertigung induktiver Schlüsse geht, sondern darum, wie sie überhaupt möglich sind. Mit anderen Worten besteht das Problem für Hume darin, verständlich zu machen, wie wir allgemeine und notwendige Naturgesetze erkennen können.

Ein zweites Ziel des Projekts ist, Immanuel Kants Lösungsansatz zu rekonstruieren. Welches sind nach Kant die Bedingungen, die erfüllt sein müssen, damit wir die Gesetze der Natur erkennen können? Damit bezweckt das Projekt, gewisse Aspekte von Kants transzendentalem Idealismus zu erhellen. Andererseits soll es eine bislang wenig beachtete Dimension der Beziehung zwischen Hume und Kant beleuchten.

Jenseits dieser philosophiehistorischen Interessen stellt das Projekt auch eine gesellschaftlich relevante Frage: Was kann die Naturwissenschaft leisten? Die Bedingungen, die erfüllt sein müssen, um Naturgesetze erkennen zu können, geben Auskunft darüber, wie die Erkenntnisse, die in der Naturwissenschaft möglich sind, prinzipiell beschaffen sind.