Lead
Ziel dieses Projekts ist es, verschiedene Formen der kritischen Beurteilung von Emotionen zu untersuchen. Dabei wird unter anderem der Begriff des normativen Grundes und seine Anwendbarkeit im Falle von Emotionen erörtert und die Möglichkeit der moralischen Kritik bestimmter Emotionen diskutiert.

Lay summary
Emotionen spielen eine wesentliche Rolle sowohl für unsere persönliche psychische Verfassung als auch in unserem sozialen Zusammenleben. Es ist daher nicht erstaunlich, dass unsere Emotionen vielerlei Formen der Kritik ausgesetzt sind. Zum Beispiel erachten wir die Furcht vor harmlosen Insekten als irrational und womöglich belastend. Doch können Emotionen auch als unangebracht, unfair oder ungerecht kritisiert werden? Manche Fälle beispielsweise von Fremdenhass oder Eifersucht legen dies nahe. 

Die Idee einer normativ substantiellen Kritik solcher affektiven Einstellungen wirft jedoch eine Reihe von Fragen auf. Trotz ihrer alltäglichen Relevanz haben diese in der Philosophie bislang vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit erhalten. In weiten Teilen der Moralphilosophie steht die Bewertung von Handlungen im Mittelpunkt. In der Philosophie der Emotionen wiederum konzentriert sich die Diskussion der Bewertbarkeit affektiver Einstellungen meist auf deren Korrektheit oder Verlässlichkeit, welche oft in Analogie zur (repräsentationalen) Adäquatheit von Wahrnehmungszuständen verstanden wird. Die so entstandene Lücke in der philosophischen Literatur will dieses Projekt schliessen. Hierzu werden zum einen der Begriff des normativen Grundes, seine Anwendbarkeit im Falle affektiver Einstellungen, sowie die Möglichkeit der deliberativen Kontrolle solcher Einstellungen erörtert. Zum anderen werden die Voraussetzungen einer moralischen Kritik bestimmter Emotionen herausgearbeitet und im Lichte der allgemeinen philosophischen und empirischen Debatte über die Natur von Emotionen geprüft. 

Das Projekt verbindet damit zwei wichtige Debatten in der Philosophie, die bisher grösstenteils unabhängig voneinander geführt wurden. Es leistet zudem einen Beitrag zur kritischen Auseinandersetzung mit unseren Emotionen sowie deren Rolle und Status in unseren sozialen Beziehungen.