Lead
Im Rahmen des philosophischen Projekts wird a) das Wesen und die Rolle der Aufmerksamkeit in ästhetischen Erfahrungen untersucht, b) ein Bezug zum verkörperungstheoretischen Konzept der Achtsamkeit (Mindfulness) hergestellt und c) die Bedeutung dieser Konzepte für eine "Ethik der Aufmerksamkeit" untersucht, der es um Politiken des gesellschaftlichen Miteinanders und um Räume der Aufmerksamkeit und der Unaufmerksamkeit geht.

Lay summary

Aufmerksamkeit ist zu einer der wichtigsten Währungen unserer Zeit geworden. Die Frage danach, was Aufmerksamkeit ist und wofür sie gut sein soll, wurde in der zeitgenössischen Philosophie aber lange Zeit vernachlässigt. Es ist jedoch ein Wandel zu bemerken, insbesondere in der kognitionswissenschaftlichen und phänomenologischen Philosophie des Geistes. Das Projekt schlägt noch einen anderen Weg ein: Über eine Untersuchung der Aufmerksamkeit in der ästhetischen Erfahrung (in Kunst, Natur, Alltag, Ekstase) wird das Konzept daraufhin untersucht, wie es in diesem Kontext ist und sein soll, ob und wie es sich von unserer alltäglichen Aufmerksamkeit unterscheidet. Dabei wird exploriert, ob die Ästhetik ein besonderer Bereich ist, in dem Aufmerksamkeit in einer Weise praktiziert und geformt wird, die auch für andere, nicht-ästhetische Kontexte relevant ist. Basierend auf dieser Untersuchungsstrategie wird das Projekt insbesondere die Bedeutung der Aufmerksamkeit für unseren ethischen Umgang mit anderen Menschen bzw. Lebewesen in den Fokus rücken. Eine Hypothese lautet, dass Aufmerksamkeit eine normative Bedingung für bestimmte moralische Prinzipien und Tugenden ist; umgekehrt gilt es aber auch eine Politik der Unaufmerksamkeit in eine solche Ethik mit einzubeziehen. 

Die Untersuchung ist neben der Philosophie für die Kunst- und Kulturwissenschaften, Medienwissenschaften, Psychologie, Soziologie von Relevanz; ferner verspricht sie gesellschaftspolitisch virulente Einsichten im Hinblick auf die Rolle der Aufmerksamkeit in Social Media, im Fall von ADHS oder Burn Out.