Lead
Artistic projects from state-socialisms in Europe, e.g., the GDR (1949-1990), under conditions of the Global Cold War often remain subject to be simplified in binary patterns, that means, type-casting artists (or architects, writers...) from “the East” as either dissidents (“the underground artist”) or conformists (“the State artist”). Situated in the field of Visual Cultures, the Research Project aims to apply decolonial methods and to mobilize practice-based approaches to engage in the critical analysis of case studies of art practices from socialist geographies of the Cold War period from Europe with a specific focus on operational concepts of cybernetics and internationalism for the contemporary condition.

Lay summary
Zum einen haben akademische Forschungen über den Globalen Kalten Krieg, zur europäischen Nachkriegsgeschichte und das Studium von Internationalen Beziehungen in Europa Szenarien zum Kalten Krieg vor allem aus einer "westlichen" Perspektive analysiert, oft ohne sich um den Bereich der Kunst zu kümmern. Eine europäische Kunstgeschichte, andererseits, definiert jedoch vor allem ein historisch-vergleichendes Studium einer Kunst aus zwei Deutschlands. Dies führt oft zu einer unterkomplexen Binär-Klassifizierung vom "staatlichen Künstler" und "dissidenten Künstler", d.h., es wiederholt "The Age of Extremes" (Hobsbwam, 1994) des Kalten Krieges in den Bereichen Kunst, Forschung und Wissen in der Zeit nach 1989. Was fehlt und daher dringend benötigt wird, ist eine fallbezogene Analyse von Kunstprojekten aus der DDR mit einer klar internationalistischen Mission und deren Mobilisierung für unsere aktuellen Debatten.

Das Forschungsprojekt zielt darauf ab, dekoloniale/dekolonisierende Methoden mit epistemologischem Bewusstsein für die gelebten Erfahrungen, wissenschaftlichen Dokumente, Geheimdienstakten und künstlerischen Projekte aus sozialistisch/internationalistischen Geographien, wie z.B. der DDR (1949-1990), zu mobilisieren, um das politische Projekt der DDR über die oft binäre Erzählung vom Dissidentismus vs. Konformismus hinaus zu positionieren. Fokus hierbei sind künstlerische Methoden, welche Kybernetik mit Geopolitik bzw. Internationalismus in Bezug setzen. 

Möglicher Ausgangspunkt sind Filme, Schriften, kybernetische Zeichnungen und Konzepte der DEFA Gruppe Profil (1960-1968), die ihre Fortsetzung in der "künstlerischen Arbeitsgruppe defa-futurum" (1971-1980) der DDR gefunden hat, die den "sozialistischen Zukunftsfilm" oder Science Fiction als "intergenre" (defa-futurum, 1975) entwickelte, um die Analyse von damals-zeitgenössischen Problemen, aus denen die Gesellschaft aufgebaut werden soll, durchzuführen. Die praxisorientierte Doktorarbeit der defa-futurum-Gruppe bietet darüber hinaus die Möglichkeit, sich mit den philosophisch-logischen Schriften des Bürgerrechtlers, deutsch-jüdischen Immigranten und Professors Franz Loeser über deontische Logik, Mathematik, Kybernetik und Marxismus-Leninismus zu beschäftigen, die einen wenig erforschten philosophischen Ansatz zu Organisation, Rationalismus und Ethik kennzeichnet. Welche Prinzipien haben Automatisierung, Computation, nicht-menschliche Kognition und Technologiepolitik von planetarischer Dimension oder mit globalisierenden Kräfte aus der Perspektive einer alternativen oder minoritären Post-/Moderne? 

Eingebettet in eine Zusammenarbeit zwischen HEAD Genève, der Universität Basel, dem VanAbbe Museum in Eindhoven und dem Haus der Kulturen der Welt in Berlin sind die Ergebnisse des Forschungsprojekts eine Doktorarbeit, Konferenzbeiträge, peer-revieweded Artikel, Ausstellungsbeiträge, eine relationale Datenbank, etc.