Lead
Das Dissertationsprojekt stellt eine Kritik der Politik der Hostilität dar, durch die Analyse der Kategorie des Barbaren. Ziel ist es, die Herausforderungen zu untersuchen, die die Figur eines entmenschlichten Feindes für Demokratien bringt.

Lay summary
Diese Arbeit stellt sich die folgende Frage: Wie werden bestimmte Personen oder Gruppen als potentielle Quellen des Bösen kategorisiert und damit eine Politik der Angst und des Hasses etabliert, sowie bestimmte Formen der Gewalt legitimiert? 
Für die Beantwortung dieser Frage, untersucht dieses Projekt die Kategorie des entmenschlichten Feindes, die die radikale Ungleichheit zwischen menschlichem Leben durch die Figur des ‚Barbaren‘ erlaubt. Der Barbar erscheint im altgriechischen Kontext und stellt sich als extremster Grad der Alterität dar. Das Extrem bezieht sich auf die Tatsache, dass dieser unerwartete Andere nicht nur mein Denken, meine Normen und meine Werte in Frage stellt, sondern er wird als Gefahr für meine Freiheiten und Werte definiert und in das Objekt meiner Ängste verwandelt. Aber der Terminus ‚Barbar‘ hat selbst eine unterdrückende Wirkung. Die Existenz dieser Kategorie erbringt den Nachweis einer Logik, die die radikale Ungleichheit zwischen menschlichem Leben erlaubt. Der ‚Barbar‘ zieht im Gegensatz zum Griechen die Grenze zwischen dem Vernünftigen und dem Unvernünftigen, zwischen dem Menschlichen und Nichtmenschlichen.
Die Verwandlung des Anderen in eine Repräsentation des Bösen ermöglicht die Legitimation von Hass und Gewalt sowie die Intensivierung von gemeinschaftlichen Gefühlen, die in nationalen und patriotischen Bewegungen stattfinden. Ziel dieses Projekts ist es, zu erforschen, auf welche Art und Weise eine Analyse des ‚Barbaren‘ dabei helfen kann, die Logik in Frage zu stellen, die die Entmenschlichung und Verteufelung des Anderen ermöglicht und das Ethos der Demokratie in Frage stellt.