Lead
Das digitale Zeitalter ist dadurch gekennzeichnet, dass in ihm unser Verhältnis zur Welt und zu unseren Mitmenschen immer mehr durch digitale Medien vermittelt wird. Weit davon entfernt, die Berührung im Digitalen zugunsten des Virtuellen, das hauptsächlich auf dem Visuellen gründet, als überholt zu glauben, soll gezeigt werden, dass die Berührung eine wesentliche Rolle in unserer Erfahrung des Digitalen spielt, vorausgesetzt, dass man einen Begriff der Berührung entwickelt, der die mediale Dimension dieses Phänomens beachtet.

Lay summary

Ziele des Forschungsprojekts

Im vorliegenden Projekt soll eine Redefinition der Begriffe von Berührung, Kontakt und Takt im digitalen Zeitalter erreicht werden. Dies bedarf erstens einer genealogischen Rekonstruktion der philosophischen Diskurse über die Berührung und den Tastsinn im 18. und 19. Jahrhundert und ihrer Folge in der Phänomenologie und der Psychoanalyse. Aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse soll zweitens eine medienphilosophische Untersuchung des Phänomens der Berührung in Bezug auf die digitalen Medien unternommen werden. Dieses Projekt zielt darauf ab, dreierlei zu zeigen: 1) Der Umgang mit dem Digitalen ist immer verkörpert. Aus diesem Grund ist dieser Umgang im Sinne einer Berührung zu verstehen. Es geht also darum, den Körper in der vermeintlichen Immaterialität des Digitalen aufzuspüren. 2) Die Kontakte, die durch digitale Medien etabliert werden, sind real. Und die Gemeinschaften, die daraus entstehen, sind sowohl affektiv als auch politisch. Die Verflechtung des Affektiven und des Politischen soll dabei kritisch untersucht werden. 3) Digitale Medien erweitern und transformieren zunehmend die konstitutive Funktion, die die Sinne für den Zugang zur Welt haben. 

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext des Forschungsprojekts 

Dieses Projekt lässt sich in den Forschungsgebieten der theoretischen Philosophie, der Medienphilosophie, der Ästhetik und der Digital Humanities verorten. Es befasst sich mit Fragen, die mit dem Wandel der Gesellschaft im digitalen Zeitalter zu tun haben. Es bringt die Geschichte der Philosophie mit der technologischen, sozialen und politischen Aktualität des Digitalen in Zusammenhang. Ein solches Projekt nimmt Abstand von der Gegenwart des Digitalen, um sie genauer beschreiben zu können, statt diese Gegenwart immanent zu beurteilen.