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Der Kantianismus gehört zu den einflussreichsten Ansätzen in der zeitgenössischen Ethik - allerdings noch nicht in der Tierethik. Dieses Projekt formuliert eine kantianische „Ethik des Respekts“ im Umgang mit Tieren.

Lay summary

In Kants aufklärerischer Ethik spielt das vernünftige Handeln die Hauptrolle: Wer vernünftig handelt, trägt Verantwortung – und ist durch die eigene Vernunft zu Respekt für das Handeln anderer verpflichtet. Wenn es um Tiere geht – in Kants Augen vernunftlose Wesen – ist seine Ethik jedoch umstritten: Tiere seien völlig instinktgesteuert, meinte Kant, und es gäbe bei ihnen deshalb gar keine Art von Handeln, die wir respektieren könnten. Darum könnten Tiere nur indirekt moralisch bedeutsam sein, nämlich insofern der Umgang mit ihnen den menschlichen Charakter beeinflusst. Über zweihundert Jahre nach Kant haben wir ein differenzierteres Bild vom tierlichen Handeln: Einige Tiere handeln womöglich nach Gründen, haben Intentionen, verfolgen Ziele und kooperieren. Wenn es also durchaus ein tierliches Handeln gibt, das wir respektieren können, stellt sich die Frage, ob wir zu diesem Respekt gemäss kantianischer Ethik auch moralisch verpflichtet sind. Dieses Projekt argumentiert dafür, dass Kantische Grundsätze durchaus für Respekt für tierliches Handeln sprechen. So entsteht eine „Ethik des Respekts“ als neues Paradigma in der Tierethik. Und die Kantische Moralphilosophie, die das moderne Denken und sogar die Schweizer Gesetzgebung massgeblich mitgeprägt hat, erweitert damit deutlich ihren Anwendungsbereich.