Lead
Am Beispiel der Ziege soll untersucht werden, inwieweit die Domestikation generell, und spezifische Zuchtziele im Besonderen, die Lern- und kognitiven Fähigkeiten von Tieren verändert haben. Zudem könnte längerfristiges kognitives Training von den Tieren als positive Umweltanreicherung wahrgenommen werden. Ein vertieftes Verständnis der kognitiven Fähigkeiten und Ansprüche an die Haltungsbedingungen ist notwendig, um Nutztiere tiergerecht halten zu können.

Lay summary

Inhalt und Ziele des Forschungsprojekts

Zum Erreichen der Projektziele werden in zwei Arbeitspaketen (AP) mit verschiedenen Kognitionstests die kognitiven Fähigkeiten von Ziegen durchleuchtet (AP I und II). Ein besonderer Fokus liegt darauf, wie Ziegen vom Menschen ausgesandte Signale nutzen und welche Bedeutung die Domestikation hierbei hat. In einem weiteren AP (III) wird erforscht, ob Ziegen besser von einer (a) anderen erfahrenen Ziege oder (b) vom Menschen lernen. Schließlich wird untersucht, ob domestizierte Ziegen von sich aus motiviert sind, sich kognitiv zu betätigen und inwieweit sich langanhaltendes kognitives Training positiv auf ihre Verhaltensflexibilität, das Wohlbefinden und die Mensch-Tier-Interaktion auswirkt (AP IV). Die Versuchstiere im Projekt sind Wildziegen und zwei domestizierte Ziegenrassen mit unterschiedlichem Zuchtziel (Hochleistungsmilchziege bzw. Fleischziege für die Bewirtschaftung von extensiven Standorten). Durch die Wiederholung der Versuche an zwei Forschungsstandorten unter vergleichbaren Haltungsbedingungen wird die Aussagekraft der Resultate erheblich gesteigert.

 

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext des Forschungsprojekts

Kognitionstests sind ein wichtiges Werkzeug bei der vergleichenden Untersuchung von kognitiven Fähigkeiten von Wild- und Nutztieren. Mittels solcher Ansätze können Veränderungen im Problemlösungsverhalten von Tieren, die im Verlaufe der Domestikation entstanden sind, vergleichend analysiert werden. Zudem sind Nutztiere in der Intensivhaltung Bedingungen ausgesetzt, die das Ausleben von arteigenem Verhalten oft nur eingeschränkt zulassen. Dies kann zu Langeweile, Stress und Frustration führen. Es gibt jedoch erst wenige Studien, die sich mit kognitivem Training als Form der Umweltanreicherung und möglichen positiven Effekten auf das Wohlbefinden von Tieren auseinandersetzen.