Lead
Um 1800 entwickeln sich in Philosophie, Ästhetik und Naturphilosophie Begriffe der Darstellung, die eng verbunden sind mit der Reflexion auf die sich verändernden Formen und Praktiken des Darstellens in Wissenschaften und Künsten. Es ist Ziel des Projekts, diese Entwicklung in der Philosophie von Kant bis zu Hegel und im Zusammenhang mit der Chemie und der Malerei der Zeit zu rekonstruieren. Es soll dadurch zudem ein systematischer Beitrag zu aktuellen Diskussionen über wissenschaftlichen und künstlerische Praktiken der Repräsentation geleistet werden.

Lay summary
In Theater und Film sprechen wir ebenso selbstverständlich von ‚Darstellern', wie in der Chemie die Formulierung verbreitet ist, einen Stoff 'rein darzustellen'. Diese Redeweisen haben auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun, genauer besehen handelt es sich jedoch beide Male darum, dass Sinn und Körper ineinander übergehen: Die Schauspieler/innen verkörpern die Charaktere des aufgeführten Stücks; der chemisch hergestellte Stoff ist selbst eine Probe des Elements oder der Verbindung, die dargestellt wird. Im Theater oder im Labor verweisen die Körper nicht wie Zeichen auf eine Bedeutung, mit denen sie wenig gemein haben, im jeweiligen praktsichen Zusammenhang sind sie bis zu einem gewissen Grade das, was sie darstellen.

Diese Auffassung von Darstellung steht im Zentrum des Projekts „Begriffe und Praktiken der Darstellung in Philosophie, Chemie und Malerei um 1800“. Historisch arbeitet es philosophische Begriffe der Darstellung von Kant bis zu Hegel heraus und wird dabei aufzeigen, wie ihre Entwicklung im Zusammenhang der sich entwickelnden Praktiken des Darstellens in der Chemie und der Malerei der Zeit zu sehen ist. Systematisch wird das Projekt versuchen, die historischen Begriffe des Darstellens so zu reformulieren, dass sie in aktuelle Debatten über wissenschaftliche und künstlerische Praktiken der Repräsentation und deren materiell-körperliche Vollzüge eingebracht werden können.