Lead
Islamistischer Terrorismus in Europa äussert sich primär als kollektives Phänomen. In diesem Kontext analysiert das Projekt den Einfluss von kulturellen und strukturellen Faktoren von religiösen Sozialkapital wie Vertrauen, Normen und soziale Netzwerke auf Radikalisierungs- und Rekrutierungsprozesse.

Lay summary

Ziele und Inhalt des Forschungsprojekts

Mitglieder terroristischer Organisationen müssen kooperieren um Ressourcen zu mobilisieren und ihre ideologischen und strategischen Ziele zu realisieren. Das Projekt geht der Frage nach, welche Rolle hierbei ein gemeinsames Wertesystem und Gruppendynamiken spielen. Vor allem das theologische Konzept von Jihad kanalisiert Radikalisierung. Individuelle Interessen werden der kollektiven Pflicht zur Aufopferung und gewalttätigen Verteidigung der religiösen Gemeinschaft untergeordnet. Ferner untersucht das Projekt die sozialen Bindungen, die religiösen Terrorgruppen zugrunde liegen. Während die Rekrutierung von Familienmitgliedern oder Freunden Vertrauen innerhalb der Gruppe fördert und die Gefahr von Verrat und Infiltration minimiert, brauchen religiöse Terrororganisationen zudem den Anschluss an breitere soziale Netzwerke um zu wachsen. Insbesondere, aber nicht ausschliesslich können dabei religiöse Versammlungsorte aufgrund der kulturellen Gemeinsamkeiten ihrer Besucher für die Rekrutierung anfälliger Individuen missbraucht werden.

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

Trotz des weltweiten Anstiegs von Anschlägen durch religiöse Gruppen ist die Beziehung zwischen Religion und Terrorismus immer noch mangelnd erforscht und daher umstritten. Die innovative Anwendung der Sozialkapitaltheorie auf jihadistische Netzwerke in Europa soll hierbei einen theoretischen und empirischen Beitrag zur Klärung der spezifischen Eigenschaften religiöser Terrorgruppen leisten. Ein besseres Verständnis über diese Wechselverhältnisse dient nicht nur der breiteren gesellschaftlichen Debatte über den Islam in Europa, sondern impliziert zugleich politische und soziale Massnahmen zur Prävention politischer Gewalt.