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Paternalistische Eingriffe gegenüber Kindern werden häufig damit gerechtfertigt, dass diese noch nicht über die notwendigen Autonomiefähigkeiten verfügen. Während diese Auffassung mit Blick auf jüngere Kinder plausibel erscheint, wird sie problematisch, wenn man ältere Kinder in den Blick nimmt. Denn einerseits scheinen viele von diesen schon die Bedingungen für Autonomie zu erfüllen, welche bei Erwachsenen die Grundlage für die Zuschreibung voller Autonomierechte darstellen. Und andererseits scheint es Erwachsene zu geben, die nicht in höherem Masse als ältere Kinder/Jugendliche autonom sind. An dieser Stelle entsteht ein Dilemma: Entweder man gesteht älteren Kindern und Jugendlichen weitreichende Autonomierechte zu oder man akzeptiert, dass Erwachsene, welche die gleichen Eigenschaften und Fähigkeiten besitzen, auch paternalistisch behandelt werden dürfen.

Lay summary

Paternalistische Eingriffe gegenüber Kindern werden häufig damit gerechtfertigt, dass diese noch nicht über die notwendigen Autonomiefähigkeiten verfügen. Während diese Auffassung mit Blick auf jüngere Kinder plausibel erscheint, wird sie problematisch, wenn man ältere Kinder in den Blick nimmt. Einerseits scheinen viele von diesen schon die Bedingungen für Autonomie zu erfüllen, welche bei Erwachsenen Grundlage für die Zuschreibung voller Autonomierechte sind. Und andererseits scheint es Erwachsene zu geben, die nicht in höherem Masse als ältere Kinder/Jugendliche autonom sind. An dieser Stelle entsteht ein Dilemma: Entweder man gesteht älteren Kindern und Jugendlichen weitreichende Autonomierechte zu oder man akzeptiert, dass Erwachsene, welche die gleichen Fähigkeiten besitzen, auch paternalistisch behandelt werden dürfen. 

Im vorgeschlagenen Forschungsprojekt soll untersucht werden, wie dieses „Dilemma“ auf philosophisch befriedigende Weise gelöst werden kann. Dabei werden drei Ansätze unterschieden: (a) autonomiebasierte Ansätze, denen zufolge der Unterschied zwischen Erwachsenen und Kindern in der Fähigkeit zum Treffen eigener Entscheidungen liegt; (b) wohlergehensbasierte Ansätze, gemäss derer sich die Ungleichbehandlung auf die unterschiedliche Fähigkeit zu guten oder richtigen Entscheidungen zurückführen lässt; und (c) alternative Ansätze, denen zufolge sich die Unterscheidung am moralischen Status „Kindheit“ festmachen lässt. 

Das Projekt verfolgt die Arbeitshypothese, dass die Ungleichbehandlung von Erwachsenen und Kindern nicht (allein) mit unterschiedlichen Eigenschaften/Fähigkeiten begründet werden kann, sondern dass die Idee von Kindheit als globalem Status mit eigenständiger normativer Bedeutung zentral ist. Dabei wird angenommen, dass die Zuschreibung dieses Status zwar bis zu einem gewissen Grad „willkürlich“ bleiben muss, sich aber normative Gründe für seine Zuschreibung in relationalen Eigenschaften sowie dem Wert von Kindheit finden lassen.