Lead
Erwachsene über 65 Jahren werden im Jahr 2050 voraussichtlich 25% der Schweizer Bevölkerung ausmachen, verglichen mit einem Anteil von etwa 15% im Jahr 2000. Das steigende Alter der Bevölkerung bedeutet auch, dass mehr Personen im hohen Alter viele Entscheidungen, oft bezüglich finanzieller und gesundheitlicher Fragen, treffen müssen. Entscheidungen beinhalten Risiken und Unsicherheiten, wie zum Beispiel Rentenbezüge als eine ganze Summe oder in Raten zu beziehen, oder ein neues Medikament mit möglichen Nebenwirkungen auszuprobieren. Deshalb ist es so wichtig zu verstehen, ob und wie der Alterungsprozess mit systematischen Veränderungen im Entscheidungsverhalten assoziiert ist.

Lay summary

Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts 

Bisherige Arbeiten zum Thema Risikobereitschaft schlagen vor, dass systematische altersspezifische Unterschiede im Risikoverhalten in der Tat bestehen, doch dass diese Muster von der untersuchten Aufgabe abhängig sind. Während repräsentative Quer- sowie Längsschnittstudien, in denen Risikoverhalten per Selbstauskunft ermittelt wurde, eine Abnahme der Risikobereitschaft mit zunehmendem Lebensalter identifiziert haben, suggerieren Ergebnisse aus kleineren, verhaltensbasierten Laborstudien heterogenere Muster. Unterschiedliche Aufgaben stellen unterschiedliche kognitiven Anforderungen an Individuen, wie zum Beispiel Gedächtnis- oder Lernprozesse, wobei die kognitiven Anforderungen bereits eine mögliche Ursache für Altersunterschiede darstellen. Das hier vorgeschlagene Forschungsprojekt zielt darauf ab, diese Hypothese zu untersuchen anhand der detaillierte Erfassung von 1) selbstberichtetem Risikoverhalten, 2) Verhaltensindikatoren von Risikoverhalten basierend auf Experimenten sowie 3) funktionellen und strukturellen neuronalen Korrelaten des Risikoverhaltens. Es ist unser Ziel, zuverlässige Indikatoren für Altersunterschiede in der Risikobereitschaft zu identifizieren sowie die unterliegenden Ursachen für potenzielle Altersunterschiede zu verstehen.

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext des Forschungsprojekts

Unsere Arbeit hat das Potenzial, Beiträge zur Gesetzgebung sowie zu politischen Entscheidungen bezüglich der Beurteilung und Kommunikation von Risiko zu leisten. Speziell sehen wir hier die Möglichkeit, dass unsere Ergebnisse direkt Programme informieren können, welche auf die Risikokommunikation und Prävention von risikoreichen Verhalten abzielen, indem wir Vorschläge liefern können sowohl zur adäquaten Erfassung von riskantem Verhalten als auch zur Identifizierung von demografischen Gruppen, welche sich durch erhöhte Risikobereitschaft oder Probleme in Bezug auf das Verständnis von Risikoinformationen auszeichnen.