Lead
"New Scents in Action" untersucht Prozesse der Entwicklung neuer Düfte.Im Zentrum steht die Frage, wie dem Duft während des Entwicklungsprozesses fortlaufend Bedeutungen zugeschrieben werden: Wie werden neue Düfte entwickelt? Wie werden Bedeutungen beim Prozess der Duftentwicklung unter den beteiligten Akteuren verhandelt? Und welche Rolle spielt die besondere Materialität von Düften dabei?

Lay summary
Diese Fragen weisen auf zwei Diskussionsfelder in der aktuellen Design- und Organisationsforschung: Sense-making und Socio-Materiality. Beide Diskussionen gehen von alltäglichen Beobachtungen aus: Entscheidungen, Prozesse oder Strategien erschliessen sich erst im Rückblick oder alltagspraktisch: "Das Leben wird nach vorne gelebt, aber nach hinten verstanden" (Kierkegaard). In arbeitsteiligen Organisationen werden jedoch Bedeutungen nicht einfach zugeschrieben, sondern fortlaufend ausgehandelt. Soche Prozesse des "Sense-making" und "Sense-giving" erfolgen in der Praxis unter Beteiligung von materiellen Objekten oder Artefakten - und eben nicht nur in den Köpfen (kognitiv). Studien aus dem Feld "Socio-materiality" arbeiten die Bedeutung von materiellen Objekten oder Artefekten gerade bei der Produktentwicklung heraus.

Das Forschungsprojekt bezieht beide Diskussionen aufeinander und untersucht am Beispiel der Entwicklung neuer Düfte das Wechselverhältnis von Socio-materiality und Sense-making. Die besonderen Eigenschaften von Düften, ihre Flüchtigkeit und Materialität machen das Projekt speziell. Dabei wird das Projekt den empirischen Kontext des Vorprojekts erweitern und verschiedene Bereichen einbeziehen: Konventionelle Parfums, Düfte aus dem Bereich der Artistic Perfumery sowie funktionale Düfte. Es wird untersucht, wie den Düften Bedeutung zugeschrieben wird, wie die Bedeutung der Düfte unter den beteiligten Akteuren ausgehandelt wird, wie die Düfte Bedeutungen vermitteln, ja, wie ein Duft mit seinen speziellen Eigenschaften möglicherweise zu seiner Entwicklung auch beiträgt.

Methodisch ist das Vorhaben qualitativ angelegt: Forschende begleiten aus möglichst grosser Nähe zentrale Arbeitsschritte: das Briefing an die Parfumeure, die zuweilen langwierige Arbeit einzelner Parfumeure, den kollegialen Austausch zwischen Parfumeuren bei der Prüfung verschiedener Varianten und Versionen sowie schliesslich die Diskussionen zwischen dem Parfumeur und den Evaluatoren des Auftraggebers.