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Lay summary

In der Schweiz und im europäischen Raum werden zahlreiche Befragungen zur Beschäftigungssituation durchgeführt. Viele der bekannten Repräsentativerhebungen, wie die Schweizerische Arbeitskräfte Erhebung (SAKE), behandeln jedoch die erlebte Arbeitssituation sowie die Beziehung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmenden nur ausschnittsweise. Bei europäischen Umfragen ist die Schweiz zudem oft nicht integriert, weshalb die Qualität der Arbeitssituation in der Schweiz bislang nur lückenhaft erforscht ist. Diese Ausgangslage bildet die Motivation für den Schweizer Human-Relations-Barometer, einem Kooperationsprojekt der Professur für Arbeits- und Organisationspsychologie der ETH Zürich und dem Lehrstuhl Human Resource Management der Universität Zürich. Mit einer repräsentativen, regelmässig durchgeführten und differenzierten Befragung von Arbeitskräften sollen sowohl die Beschäftigungsbeziehungen als auch die aktuell erlebte Arbeitssituation in Unternehmen der Schweiz ausführlich untersucht werden.

Im Zentrum des theoretischen Untersuchungsmodells steht der psychologische Vertrag. Dieses Konstrukt misst die wechselseitigen Erwartungen und Angebote von Arbeitgeber und Arbeitnehmenden, die über die Verpflichtungen im formalen, juristischen Arbeitsvertrag hinausgehen. Darauf basierend soll analysiert werden, welche Faktoren die Stabilität dieses Kontrakts beeinflussen und welche Auswirkung eine Vertragserfüllung respektive Nichterfüllung auf das Erleben und Handeln der Beschäftigten hat. Als Einflussfaktoren fungieren nebst den personalen und organisationalen Schlüsselmerkmalen des Schweizerischen Bundesamtes für Statistik (BFS) speziell auch psychologische Einstellungen wie die Karriereorientierung. Um die Arbeitssituation umfassend zu analysieren, werden zudem Einflussfaktoren des Human Resource Managements wie Arbeitsgestaltung und Führung erfragt. Abschliessend wird beabsichtigt, ein breites Spektrum von Arbeitseinstellungen und Verhaltensabsichten der Beschäftigten als mögliche Auswirkungen zu erfassen. Die empirische Datenerhebung von 1450 Beschäftigten ist im 2-Jahres-Rhythmus anhand eines mixed-mode Ansatzes (CATI und online) geplant. Diese Methode erhöht die Stichprobenausschöpfung und ist kostenoptimierend. Die dazu verwendete Stichprobe wird aus dem BFS Stichprobenregister gezogen, um eine vollständige Zufallsstichprobe aus der Gesamtpopulation zu garantieren.

Die vorgesehene Repräsentativuntersuchung füllt eine zentrale Lücke in den öffentlich verfügbaren sozialwissenschaftlichen Daten über die Arbeitssituation von Beschäftigten in der Schweiz; unterstützt die arbeitsmarkt-, bildungs- und personalpolitischen Entscheidungsträger in der Politik, Wirtschaft und Verwaltung; ergänzt makroökonomische Daten zur Beschäftigung und zur Konjunktur mit Informationen zur Beschäftigungssituation aus mikroökonomischer Perspektive und ermöglicht, die besonderen Merkmale der Beschäftigungsbeziehungen in Schweizer Betrieben zu erkennen, was bei der wachsenden Internationalisierung von Geld-, Güter- und Arbeitsmärkten von besonderer Bedeutung ist.