Lead


Lay summary

Die polykulturelle Schweiz am Beispiel der Schauspielausbildung

Trotz der besonderen Nähe von vier Kulturgebieten innerhalb der helvetischen Grenzen wird der theatrale Rösti- und Polentagraben selten überwunden – man orientiert sich im Bereich Theater weitestgehend am gleichsprachigen Ausland und nicht an anderen schweizerischen Kulturgebieten. Das Projekt „Die polykulturelle Schweiz am Beispiel der Schauspielausbildung“ untersucht diese besondere Situation an den vier Fachhochschulen Zürcher Hochschule der Künste, Hochschule der Künste Bern, La Manufacture Lausanne, Scuola Teatro Dimitri Verscio. Ausgehend von der Frage, ob sich die Einflüsse der jeweiligen Kulturgebiete als Differenzen unter den vier Ausbildungsstätten ausweisen lassen oder ob Gemeinsamkeiten und Unterschiede allein in der global-multikulturell ausgerichteten Theaterwelt begründet liegen, werden Faktoren in der Vermittlung darstellerischer Fähigkeiten untersucht, die über die Differenz der langue hinausgehen, beispielsweise Mimik, Gestik, der Gebrauch der Stimme oder der Umgang zwischen Dozierenden und Studierenden. Die Ausbildung von Schauspielerinnen und Schauspielern ist als Untersuchungsgegenstand besonders geeignet, weil hier in hohem Mass kulturelle Inhalte vermittelt werden und über Kultur reflektiert wird. Der Schauspieler ist – so die Hypothese – potentieller Vermittler und Transformierer von Kultur.

Im Zentrum des Projekts „Die polykulturelle Schweiz am Beispiel der Schauspielausbildung“ steht die konkrete Unterrichtssituation an den vier Fachhochschulen in Zürich, Bern, Lausanne und Verscio. Basis der Untersuchung bilden Unterrichtsbeobachtungen, insbesondere per Videoaufzeichnung gesammelte empirische Daten, die nach Bottom-Up-Prinzipien und unter Bezugnahme auf Parameter aus der Aufführungsanalyse und der pädagogischen Forschung analysiert werden. Dabei dienen die Beobachtungsprotokolle sowie die Videoaufzeichnungen in erster Linie zur Fixierung des transitorischen Schauspielunterrichts. Weitere Quellen wie zum Beispiel Befragungen der an den Unterrichtssequenzen beteiligten Personen vervollständigen das Datenmaterial. Die Forschungsarbeit geht explizit nicht von methodischen Schauspieltheorien aus, sondern stellt das konkrete Praxisbeispiel ins Zentrum und unternimmt während der Unterrichtsbeobachtung und deren Analyse laufend Schritte einer Theoriebildung (Grounded Theory). Für alle Analyseschritte bedeutsam ist die Kontextualisierung der einzelnen Ergebnisse innerhalb verschiedener Systeme, zum Beispiel in pädagogischer oder ästhetischer Hinsicht. Gefragt wird auch, welche Rolle die Globalisierung der Theaterwelt spielt und wie sich die Konzepte des Cultural Heritage und der Cultural Mobility darin spiegeln.