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Emotionserkennung und Emotionsäusserung bei Jugendlichen mit Selbstverletzendem Verhalten

Selbstverletzendes Verhalten (Non-suicidal self-injury, NSSI) ist gekennzeichnet durch direkte und absichtliche Verletzungen, bei denen keine suizidale Absicht vorliegt. Repetitives Selbstverletzendes Verhalten muss als schwerwiegendes psychisches Problem eingeschätzt werden, auch weil es häufig mit weiteren Auffälligkeiten wie Depressionen, Alkohol- und Drogenmissbrauch, Beziehungsstörungen und schlechten Schulleistungen einhergeht. Es ist geplant, dass das Nicht-suizidale Selbstverletzende Verhalten eine eigenständige Störung wird. Daher ist die Erforschung dieses Störungsbildes, wie auch die diagnostische Abgrenzung zu anderen Störungen wichtig. Daher lautet eine Fragestellung des Projekts die diagnostische Abgrenzung des Selbstverletzenden Verhaltens zur Borderline Persönlichkeitsstörung bei weiblichen Jugendlichen. Des Weiteren werden experimentelle Untersuchungen zur Emotionserkennung und Emotionsäusserung durchgeführt. Emotionale Kompetenzen sind wesentliche Fertigkeiten, die den Umgang mit Emotionen aber auch die Interaktion mit anderen Menschen massgeblich beeinflussen. Die alltäglichen sozialen Interaktionen verlangen für einen adäquaten Umgang mit Mitmenschen, ein differenziertes Wahrnehmen von Emotionen. Können die Emotionen nicht korrekt oder erst sehr spät identifiziert werden, kann dies zu erhöhter emotionaler Erregung und Stimmungsverschlechterung führen, was in einem Teufelskreis zu weiteren Fehlwahrnehmungen und schlussendlich starken emotionalen Auswirkungen führt. Die betroffenen Jugendlichen haben dann ein erhöhtes Risiko, dass sie Selbstverletzendes Verhalten einsetzen, um ihre Emotionen zu regulieren. Um dies zu untersuchen, verwenden wir eine Morphing Technik, bei der Gesichter kontinuierlich von neutral hin zu einer bestimmten Emotion (z.B. von einem neutralen in einen wütenden Gesichtsausdruck) überführt werden. Die Aufgabe für die Probanden besteht darin, so rasch wie möglich mit einem Tastendruck zu reagieren, wenn sie denken, die dargestellte Emotion erkannt zu haben. Erfasst werden dabei die Reaktionszeiten der Probanden und die Antwort der Probanden, welche Emotion durch den Gesichtsausdruck dargestellt wird. Wie der Emotionserkennung kommt auch der Emotionsäusserung eine wichtige Rolle für soziale Interaktionen zu. Dabei ist die Nachahmung des Gesichtsausdrucks (facial mimicry) ein wichtiger sozialer Prozess für die Kommunikation, die Förderung von Beziehungen und die Empathie. Die Emotionsäusserung wird mit der Elektromyografie (EMG) erfasst, da die EMG-Aktivität im Gesicht Hinweise für die emotionale Anspannung gibt.

Das Projekt will dazu beitragen, ein differenziertes Verständnis für dieses Störungsbild zu bekommen und Ansatzpunkte für Interventionen zu generieren. Für die Therapie und auch für Präventionsansätze von Selbstverletzendem Verhalten könnte es wesentlich sein, das frühzeitige, angemessene Erkennen von Emotionen in Gesichtsausdrücken zu üben und daraus adäquate Signale für interpersonale Problemlösungen generieren zu können.