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Lay summary
Hellhörige Häuser - Architektur der Alltagsakustik 1930 - 1970

Die zunehmende Ausstattung der Gebäude mit technischen Anlagen hat die einst hinter massiven Mauern verborgenen Orte des Rückzugs zu hyperaktiven Räumen mit ständigem Hintergrundrauschen gemacht. - Was in dieser Aussage überzeichnet wirken mag, kann anhand von Entwicklungen in der Kultur- und Baugeschichte nachgezeichnet werden. Messtechnik, Klimakontrolle, Lärmschutz und kontrollierte Beschallung haben die auditive Umgebung und das Verhältnis vom Innen- zum Aussenraum weitgehend verändert. 

Ausgehend von der Objektivierung der Töne durch physikalische Apparate seit den 1930er-Jahren wurden in den folgenden Jahrzehnten die Geräuschlandschaften der Architektur zunehmend verwissenschaftlicht und reglementiert. Die technischen und ästhetischen Veränderungen der Töne in Gebäuden führten allerdings in der späten Moderne zu neuen, ungelösten Konflikten: Dem Ideal des stillen und echofreien Raums wirkte die Realität zunehmender Hintergrundgeräusche entgegen. 

Die Voraussetzung zur Erfassung akustischer und auditiver Räume ist eine integrative Betrachtung der fragmentierten Materialien aus Architekturtheorie, technischen Wissenschaften, Umweltlehre und Soundscape Studies. Ziel ist es, ein neues ästhetisches Referenzsystem für die hörbare Architektur zu erarbeiten, welches das Verständnis der historischen Veränderungen erleichtert, die persönliche Wahrnehmung schärft und dabei einen kritischen Blick auf die Forderungen nach Ruheschutz und Privatsphäre wirft. In einer Kulturgeschichte der Geräusche wird die Architekturgeschichte des 20. Jahrhunderts hörbar gemacht.


"Hellhörige Häuser, Architektur der Alltagsakustik 1930-1970" ist ein Forschungsprojekt, das im Rahmen einer Dissertation am Institut für Geschichte und Theorie der Architektur der ETH Zürich durchgeführt wird. Der Schweizerische Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung ermöglicht das Projekt. Das Referat führt Ass.-Prof. Dr. Laurent Stalder (Institut gta, D-Arch), das Korreferat führen Prof. Dr. David Gugerli (Technikgeschichte, D-Gess) und Doz. Kurt Eggenschwiler (D-Arch, Empa).