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Adoption in forced situations: On the history of national and international adoptions in Switzerland from the 1960s to the present day

English title Adoption in Zwangssituationen: Die Geschichte der nationalen und internationalen Adoptionen in der Schweiz von den 1960er Jahren bis heute
Applicant Businger Susanne
Number 202697
Funding scheme NRP 76 Welfare and coercion
Research institution Departement Soziale Arbeit ZHAW
Institution of higher education Zurich University of Applied Sciences - ZHAW
Main discipline Swiss history
Start/End 01.08.2021 - 31.03.2023
Approved amount 120'000.00
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Keywords (11)

Kinder- und Jugendfürsorge; Zivilgesellschaftliche Institutionen; Adoption; Geschlecht; Recht; Akteur*innen; Geschichte; Fremdplatzierung; Intersektionalität; Behörden; Zwang

Lay Summary (German)

Lead
Die Geschichte der nationalen und internationalen Adoptionen in der Schweiz ist kaum untersucht. Für die betroffenen Personen ist eine Adoption einschneidend. Das Kind wird aus seiner Herkunftsfamilie herausgelöst und findet seinen Platz neu in der Adoptivfamilie. Historisch betrachtet gingen bei diesem Vorgang Fürsorge und Zwang miteinander einher.
Lay summary

Inhalt und Ziel des Forschungsprojektes

Ziel der Studie ist es, die Dynamiken von Fürsorge und Zwang bei Inlands- und Auslandsadoptionen seit den 1960er-Jahren zu untersuchen. Dabei liegt der Fokus auf dem Handeln von Behörden und zivilgesellschaftlichen Organisationen. Rechtsgrundlagen, Entwicklung der Adoptionszahlen und die Sichtweise der Betroffenen werden ebenfalls einbezogen. Im multiperspektivischen Zugang sind drei Ebenen der Analyse aufeinander bezogen: die rechtlichen und administrativen Strukturen und Rahmenbedingungen, die Behörden und zivilgesellschaftlichen Organisationen sowie die Akteur*innen in diesen Instanzen und als Betroffene. Wie bisherige Forschungen zeigen, lebten unverheiratete Mütter in der Schweiz unter prekären ökonomischen Bedingungen. Sie waren bis in die 1970er-Jahre unter Druck, ihre Kinder zur Adoption zu geben. Die Auslandsadoptionen gewannen mit dem Rückgang der Inlandsadoptionen an Bedeutung. Bisherige Studien weisen darauf hin, dass dem Kindeswohl wenig Beachtung geschenkt wurde.

 

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

Die Geschichte der Inlands- und Auslandsadoptionen stösst in der Schweiz auf grosses gesellschaftliches Interesse. Mit dem Projekt wird neues Wissen zu den nationalen und internationalen Adoptionen im Zeitraum 1960 bis heute generiert.

Direct link to Lay Summary Last update: 21.06.2021

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
182842 Domestic Adoption in Switzerland: continuities, changes, and outcomes of irreversible family placements in the 20th and 21st centuries 01.07.2019 Project funding (Div. I-III)

Abstract

Die Geschichte der nationalen und internationalen Adoptionen in der Schweiz ist kaum untersucht. Ziel der Studie ist es, die Dynamiken von Fürsorge und Zwang bei Inlands- und Auslandsadoptionen zu analysieren. Der Schwerpunkt wird bei beiden Themen auf die Behörden und zivilgesellschaftlichen Organisationen, sprich Vermittlungsstellen, gelegt. Rechtsgrundlagen, Entwicklung der Adoptionszahlen und die Sichtweise der Betroffenen werden ebenfalls in beiden Teilprojekten einbezogen. Wir wählen damit einen multiperspektivischen Zugang, indem wir drei Ebenen in der Analyse aufeinander beziehen: die rechtlichen und administrativen Strukturen und Rahmenbedingungen, die Behörden und zivilgesellschaftlichen Organisationen sowie die Akteur*innen in diesen Instanzen und als Betroffene. Das Teilprojekt zu Inlandsadoptionen in Zwangslagen untersucht deren Geschichte seit den 1960er-Jahren bis in die Gegenwart. Es nimmt nebst den gemeinschaftlichen Adoptionen auch die Stiefkinderadoptionen, die seit den 1980er-Jahren an Bedeutung gewonnen haben, in den Blick. Bis in die 1970er-Jahre gaben in der Schweiz vor allem ledige Mütter ihre Kinder in Pflegefamilien oder zur Adoption. Bisherige Untersuchungen zeigen, dass die ökonomische Situation und kaum existierende Unterstützungsmöglichkeiten die Mütter zu diesem Schritt zwangen. Hinzu kamen weitere geschlechtsspezifische Aspekte wie die Stigmatisierung unverheirateter Mütter und entsprechender Druck von Seiten der Vormundschaftsbehörden. Wir legen den Fokus der geplanten Untersuchung auf das Zusammenspiel von staatlichen Behörden und zivilgesellschaftlichen Organisationen. Uns interessiert, welche relevanten Akteure den Adoptionsprozess regelten, welche allfälligen Spannungsverhältnisse zwischen zivilgesellschaftlichen und staatlichen Instanzen vorhanden waren und welche Zwangsmomente im behördlichen Handeln festzustellen sind. Da die Verfahren und Zuständigkeiten in der Kompetenz der Kantone lagen, drängt sich ein Vergleich auf.Wir stellen die Adoptionspraxis des Kantons Zug ins Zentrum und ziehen in gewissen Aspekten ergänzend die Kantone Thurgau und Waadt bei. Damit streben wir einerseits einen Vergleich an zwischen der Deutsch- und Westschweiz und andererseits zwischen den städtisch geprägten Kantonen Zug und Waadt und dem ländlichen Kanton Thurgau.Die Untersuchung zu den internationalen Adoptionen ist als Sondierstudie konzipiert. Wie bei den nationalen Adoptionen steht der Zeitraum von den 1960er-Jahren bis heute im Zentrum und es werden ebenso die einschlägigen Rechtsgrundlagen identifiziert sowie die wichtigsten behördlichen und zivilgesellschaftlichen Akteure. Auch die Motive der leiblichen Eltern und Adoptiveltern sollen wie beim Teilprojekt zu den Inlandsadoptionen mittels exemplarischer Akten aus den Kantonen Zug, Thurgau und Waadt analysiert werden. Darüber hinaus wird ein Überblick zur Frage gegeben, wie sich die internationalen Adoptionen in der Schweiz zeitlich und geografisch entwickelt haben. Beim methodisch-theoretischen Vorgehen stützen wir uns auf die intersektionale Dispositivanalyse, um unterschiedliche Differenzkategorien wie Geschlecht oder nationale Herkunft im Blick zu haben. Akten werden mit diskurs-, Interviews mit inhaltsanalytischer Methode ausgewertet. Die Ergebnisse sollen der Öffentlichkeit und den betroffenen Personen in einem Bericht zugänglich gemacht werden. Da sich die Schweiz im internationalen Vergleich früh mit der historischen Aufarbeitung der Adoptionen befasst, publizieren wir die Resultate zudem in einer internationalen Fachzeitschrift. Ein Beirat mit Fachpersonen aus Forschung, Behörden und einer Betroffenenorganisation unterstützt den Wissenstransfer in die Praxis.
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