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Transnationale Geschichte des Föderalismus im langen 19. Jahrhundert: Transfers und Verflechtungen

English title Transnational History of Federalism in the Long Nineteeth Century: Transfers and Networks
Applicant Weichlein Siegfried
Number 140276
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Departement für Historische Wissenschaften - Zeitgeschichte Universität Freiburg
Institution of higher education University of Fribourg - FR
Main discipline General history (without pre-and early history)
Start/End 01.04.2012 - 30.09.2013
Approved amount 156'976.00
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All Disciplines (5)

Discipline
General history (without pre-and early history)
German and English languages and literature
Political science
Romance languages and literature
Swiss history

Keywords (16)

Französische Geschichte ; Intellektuellengeschichte ; Historische Semantik; Spanische Geschichte; Historiographie; Deutsche Geschichte; Neue Politikgeschichte; Kulturtransfer und histoire croisée; Schweizer Geschichte; Anarchismus; Transnationale Geschichte; Netzwerkanalyse; Neue Kulturgeschichte; Geschichte des langen 19. Jahrhunderts; Föderalismus; Italienische Geschichte

Lay Summary (German)

Lead
Lay summary

Dieses Projekt untersucht die Geschichte des Föderalismus im 19. Jahrhundert aus der Analyseperspektive der transnationalen Geschichte. Zwei Ausgangsbeobachtungen liegen dieser Konzeption zu Grunde: Zum einen ist zu beobachten, dass föderales Ordnungsdenken im 19. Jahrhundert transnational zirkulierte, in unterschiedlichen Gesellschaften angeeignet und als Modus politischer Problematisierung weiter entwickelt wurde. Transfers, Verflechtungen und Akteurnetzwerke in transnationalen Dimensionen sind also inhärente Bestandteile der Geschichte des Föderalismus im 19. Jahrhundert. Zum anderen war dieses föderale Ordnungsdenken von einem ausgesprochenen Variantenreichtum geprägt. „Föderalismus“ als Begriff und politisch-soziales Konzept war in seiner Semantik deutungsoffen und umstritten, weshalb er von unterschiedlichen politischen Akteuren und sozialen Formationen artikuliert, transformiert und mit unterschiedlichen Bedeutungen und Funktionalisierungen in die politische Arena eingespeist wurde. Als Assoziationstheorie des Politischen konnte sich föderales Ordnungsdenken sowohl auf politische als auch auf gesellschaftliche Handlungseinheiten beziehen.

Dieses Projekt nimmt diesen Facettenreichtum der Geschichte des Föderalismus zum Ausgangspunkt und untersucht zwei charakteristische Ausprägungen föderalen Ordnungsdenkens im 19. Jahrhundert: Subprojekt A untersucht den Transfer des amerikanischen Föderalismus nach Europa (Schweiz, Frankreich, Deutschland) im frühen 19. Jahrhundert. Subprojekt B rekonstruiert die Erscheinungsformen des Föderalismus in den anarchistischen Milieus der Schweiz, Italiens und Spaniens im ausgehenden 19. Jahrhundert. Während die politischen Diskurse um die Gestaltung föderaler Republiken oder Bundesstaaten in der „Sattelzeit“ den Föderalismus als Assoziation politischer und territorial gebundener Handlungseinheiten konzipierten, verstand man in den anarchistischen Milieus des ausgehenden 19. Jahrhunderts Föderalismus als Assoziation von Berufsgruppen und gesellschaftlichen Gruppierungen zum „bottom-up“-Aufbau der Gesellschaft. Die im Europa des frühen 19. Jahrhunderts geführten Kontroversen über das politische System Nordamerikas sahen im Föderalismus eine Möglichkeit, die territoriale Zersplitterung der post-revolutionären Ordnung mit föderalen Strukturen zu bewältigen. Föderalismus war hier eine Konfliktbearbeitungsstrategie zur Assoziation und Organisation territorial gebundener politischer Handlungseinheiten. In den anarchistischen Milieus standen demgegenüber Konflikte der sozialen Stratifikation und deren Überwindung durch föderale Ordnungsarrangements im Zentrum. Die Referenzpunkte föderalen Ordnungsdenkens waren hier weniger politisch-territoriale Handlungseinheiten als soziale und berufsspezifische Gruppierungen.

Die beiden Projekte verdeutlichen die multiplen Bedeutungen des Föderalismusbegriffs im 19. Jahrhundert und verorten dessen Operationalisierungen in unterschiedlichen politisch-sozialen Kontexten. Das Forschungsprojekt leistet damit insgesamt einen Beitrag zu einer umfassenden Historisierung und Kontextualisierung unterschiedlicher Ausprägungen föderalen Ordnungsdenkens im 19. Jahrhundert. Es analysiert zudem einen älteren Gegenstand der Politikgeschichte – den Föderalismus – mit neueren Methoden der Kulturtransferanalyse und der politischen Kulturgeschichte, wodurch neue Sichtachsen auf die Geschichte des Föderalismus im 19. Jahrhundert generiert werden.
Direct link to Lay Summary Last update: 21.02.2013

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Lafayette und die «école américaine». Transatlantische Diskursgemeinschaften und die umstrittene Bedeutung der amerikanischen Föderativrepublik
Auderset Juri (2012), Lafayette und die «école américaine». Transatlantische Diskursgemeinschaften und die umstrittene Bedeutung der amerikanischen Föderativrepublik, in Traverse. Zeitschrift für Geschichte, 19(3), 130-144.
Texte, Kontexte und Politische Kultur. Intellectual History bei Keith Michael Baker and Lloyd S. Kramer
Auderset Juri (2012), Texte, Kontexte und Politische Kultur. Intellectual History bei Keith Michael Baker and Lloyd S. Kramer, in WerkstattGeschichte, 60, 75-94.

Collaboration

Group / person Country
Types of collaboration
Prof. Dr. Andreas Wirsching, Komission für die Geschichte des Parlamentarismus, Berlin Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Prof. Dr. Gilda Manganaro Favaretto, Università degli Studi di Trieste, Italy (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Prof. Dr. Xosé-Manoel Núñez Seixas, Univ. Santiago de Compostela, Dep. de Historia Contemporanea Spain (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Prof. Dr. Marcus Llanque, Univ. Augsburg, Politikwissenschaft und Politische Theorie Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Prof. Dr. Regula Schmid Keeling, Univ. Freiburg, Mediävistisches Institut Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Prof. Dr. Olivier Beaud, Univ. Paris II (Panthéon-Assas) France (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Prof. Dr. Christoph Schönberger, Univ. Konstanz, Lehrstuhl für Öffentliches Recht,Europarecht, Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Institut für Föderalismus, Univ. Freiburg Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
Zur (Bild)Semantik intermediärer Räume des Politischen Talk given at a conference Raum der Globalisierung, Raum des Anarchismus: Die Veränderung der Raumvorstellung der Anarchisten im Vallon de Saint-Imier durch die Globalisierung (1865-1880) 09.02.2013 Freiburg, Switzerland Eitel Florian;
Föderale Raummetaphern. Zur (Bild)Semantik intermediärer Räume des Politischen. Panel Schweizer Geschichtstage Talk given at a conference Föderale Kosmologien. Astronomische Metaphern im transatlantischen Föderalismusdiskurs, 1787-1848 09.02.2013 Fribourg, Switzerland Auderset Juri;
Kolloquium zur Politischen Ideengeschichte Talk given at a conference Stranger in America. Francis Lieber und die Interpretation des amerikanischen Föderalismus 22.01.2013 Augsburg, Germany Auderset Juri;
Transnationale Geschichte des Föderalismus im langen 19. Jahrhundert. Transfers und Verflechtungen, Universität Talk given at a conference Die föderalen Wurzeln des Anarchismus: Napoli, Saint-Imier, Cádiz (1860-180) 12.10.2012 Freiburg, Switzerland Eitel Florian;
Transnationale Geschichte des Föderalismus im langen 19. Jahrhundert. Transfers und Verflechtungen Talk given at a conference Transatlantischer Föderalismus im Zeitalter der Revolutionen, 1787-1848. Intellektuellennetzwerke und Diskursgemeinschaften 12.10.2012 Fribourg, Switzerland Auderset Juri;
VIII. Workshop Historische Spanienforschung Talk given at a conference Der Entstehungsprozess des Anarchismus: Eine Neuinterpretation des Kantonalismus in Cádiz 14.09.2012 Kochel amSee, Germany Eitel Florian;


Associated projects

Number Title Start Funding scheme
129888 Transnationale Geschichte des Föderalismus im langen 19. Jahrhundert: Transfers und Verflechtungen 01.04.2010 Project funding (Div. I-III)
138606 Politische Ikonographie des Föderalismus in der Schweiz und in Deutschland 01.06.2012 Interdisciplinary projects

Abstract

Dieses Projekt untersucht die Geschichte des Föderalismus im 19. Jahrhundert aus der Analyseperspektive der transnationalen Geschichte. Zwei Ausgangsbeobachtungen liegen dieser Konzeption zu Grunde: Zum einen ist zu beobachten, dass föderales Ordnungsdenken im 19. Jahrhundert transnational zirkulierte, in unterschiedlichen Gesellschaften angeeignet und als Modus politischer Problematisierung weiter entwickelt wurde. Transfers, Verflechtungen und Akteurnetzwerke in transnationalen Dimensionen sind also inhärente Bestandteile der Geschichte des Föderalismus im 19. Jahrhundert. Zum anderen war dieses föderale Ordnungsdenken von einem ausgesprochenen Variantenreichtum geprägt. „Föderalismus“ als Begriff und politisch-soziales Konzept war in seiner Semantik deutungsoffen und umstritten, weshalb er von unterschiedlichen politischen Akteuren und sozialen Formationen artikuliert, transformiert und mit unterschiedlichen Bedeutungen und Funktionalisierungen in die politische Arena eingespeist wurde. Als Assoziationstheorie des Politischen konnte sich föderales Ordnungsdenken sowohl auf politische als auch auf gesellschaftliche Handlungseinheiten beziehen. Dieses Projekt nimmt diesen Facettenreichtum der Geschichte des Föderalismus zum Ausgangspunkt und untersucht zwei charakteristische Ausprägungen föderalen Ordnungsdenkens im 19. Jahrhundert: Subprojekt A untersucht den Transfer des amerikanischen Föderalismus nach Europa (Schweiz, Frankreich, Deutschland) im frühen 19. Jahrhundert. Subprojekt B rekonstruiert die Erscheinungsformen des Föderalismus in den anarchistischen Milieus der Schweiz, Italiens und Spaniens im ausgehenden 19. Jahrhundert. Während die politischen Diskurse um die Gestaltung föderaler Republiken oder Bundesstaaten in der „Sattelzeit“ den Föderalismus als Assoziation politischer und territorial gebundener Handlungseinheiten konzipierten, verstand man in den anarchistischen Milieus des ausgehenden 19. Jahrhunderts Föderalismus als Assoziation von Berufsgruppen und gesellschaftlichen Gruppierungen zum „bottom-up“-Aufbau der Gesellschaft. Die im Europa des frühen 19. Jahrhunderts geführten Kontroversen über das politische System Nordamerikas sahen im Föderalismus eine Möglichkeit, die territoriale Zersplitterung der post-revolutionären Ordnung mit föderalen Strukturen zu bewältigen. Föderalismus war hier eine Konfliktbearbeitungsstrategie zur Assoziation und Organisation territorial gebundener politischer Handlungseinheiten. In den anarchistischen Milieus standen demgegenüber Konflikte der sozialen Stratifikation und deren Überwindung durch föderale Ordnungsarrangements im Zentrum. Die Referenzpunkte föderalen Ordnungsdenkens waren hier weniger politisch-territoriale Handlungseinheiten als soziale und berufsspezifische Gruppierungen. Die beiden Projekte verdeutlichen die multiplen Bedeutungen des Föderalismusbegriffs im 19. Jahrhundert und verorten dessen Operationalisierungen in unterschiedlichen politisch-sozialen Kontexten. Das Forschungsprojekt leistet damit insgesamt einen Beitrag zu einer umfassenden Historisierung und Kontextualisierung unterschiedlicher Ausprägungen föderalen Ordnungsdenkens im 19. Jahrhundert. Es analysiert zudem einen älteren Gegenstand der Politikgeschichte - den Föderalismus - mit neueren Methoden der Kulturtransferanalyse und der politischen Kulturgeschichte, wodurch neue Sichtachsen auf die Geschichte des Föderalismus im 19. Jahrhundert generiert werden.
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