Project

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Theorie und Praxis islamischer Wohltätigkeit in einer nichtmuslimischen Mehrheitsgesellschaft am Beispiel der Schweiz

English title Theory and practice of Islamic charity in a non-Muslim society: the case of Switzerland
Applicant von Kügelgen Anke
Number 124479
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Institut für Islamwissenschaft und Neuere Orientalische Philologie Universität Bern
Institution of higher education University of Berne - BE
Main discipline Religious studies, Theology
Start/End 01.06.2009 - 31.07.2011
Approved amount 122'735.00
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Keywords (12)

Islam; Switzerland; Charity; Philanthropy; Migration; Social history; Gender; Islam/Muslims; Muslim associations; religious giving; social services; integration

Lay Summary (German)

Lead
Lay summary
Das vorliegende Projekt strebt an, erste Einblicke in verschiedene Formen wohltätigen Engagements (wie Spenden, Ehrenamt und Freiwilligenarbeit, Nachbarschaftshilfe) von Muslimen in der Schweiz zu geben.Hintergrund:Anders als in Europa ist in der islamischen Welt die Wohlfahrt mehr eine Angelegenheit religiöser Gemeinschaften als eine Aufgabe des Staates. Moscheen übernehmen dort in der Regel nicht nur religiöse Aufgaben, sondern betreiben soziale Einrichtungen wie Kindergärten, Suppenküchen oder Kliniken. Das soziale und wohltätige Engagement von Privatpersonen äussert sich zumeist in der Unterstützung bedürftiger Personen im direkten sozialen Umfeld. Moderne Formen des Gebens wie das Spenden an professionelle Entwicklungshilfeorganisationen und Corporate Social Responsibility-Initiativen gewinnen aber auch hier zunehmend an Bedeutung. In den letzten Jahren haben traditionelle und moderne Formen des Gebens gleichermassen einen Aufschwung erlebt.In der Schweiz liegt der Schwerpunkt des sozialen und wohltätigen Engagements islamischer Vereine bislang auf dem Auf- und Ausbau der hiesigen religiösen Infrastruktur. Das soziale Angebot weitet sich aber ständig aus. Spenden von einzelnen Muslimen und Hilfswerken sind derzeit offenbar vor allem an Zwecke im Ausland gerichtet und dienen dort primär der Linderung akuter materieller Bedürftigkeit.Ziele des Forschungsprojekts:Das Forschungsprojekt soll einen ersten Überblick über die Wohltätigkeitsvorstellungen und praktiken von Muslimen in der Schweiz geben. In der Untersuchung werden sowohl Vereine und organisierte Gruppen als auch einzelne Muslime betrachtet. Dabei wird im Besonderen untersucht, welche Bedeutung den Moscheevereinen und islamischen Hilfswerken bei der Vermittlung von Vorstellungen über ‚islamische Wohltätigkeit' und ihrer praktischen Umsetzung zukommt. Es soll ferner der Frage nachgegangen werden, in welchem Masse Muslime in der Schweiz traditionelle und religiös motivierte Formen des Gebens praktizieren und ggf. an das Schweizer Umfeld anpassen sowie Elemente moderner Philanthropie aufgreifen. Schliesslich wird gefragt, wer wie von diesem wohltätigen Engagement profitiert, insbesondere ob und inwieweit es zur Integration der Muslime in die Schweizer Aufnahmegesellschaft beiträgt.Die Studie bedient sich sowohl qualitativer (Experten- und Einzelinterviews) als auch quantitativer Methoden (standardisierter Fragebogen).Bedeutung:Die Wohltätigkeit von Muslimen in der Schweiz wurde bislang nicht wissenschaftlich untersucht. So liegen auch keine genauen Kenntnisse über ihr Spendeverhalten vor. Das Forschungsprojekt soll zur Versachlichung der Diskussion um muslimische Wohltätigkeit beitragen, insbesondere im Hinblick auf die einseitigen Vorstellungen über islamische humanitäre Organisationen und Privatpersonen als Financiers von Terrorismus.Grundsätzlich soll die Untersuchung zu einem besseren Verständnis des alltäglichen und religiös-rituellen Lebens der Muslime in der Schweiz beitragen. Derartige Erkenntnisse haben auch einen direkten praktischen Wert. Zum einen geben sie Aufschluss darüber, inwieweit Akteure muslimischer Wohltätigkeit geeignet sind, die soziale und politische Integration von muslimischen Migranten zu unterstützen. Zum anderen sollen Bedürfnisse und Vorstellungen von Muslimen in Bezug auf soziale Dienste herausgestellt werden. Die Untersuchung sollte daher Anregungen und Hinweise geben, wie Muslime und islamische Einrichtungen stärker in die bestehende soziale Infrastruktur in der Schweiz eingebunden werden können.
Direct link to Lay Summary Last update: 21.02.2013

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Wohltätiges Engagement von Muslimen in der Schweiz
Martens Silvia (2010), Wohltätiges Engagement von Muslimen in der Schweiz, in Allenbach Brigit, Sökefeld Martin (ed.), Seismo, Zürich, 145-178.

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
31. Deutschen Orientalistentag (DOT) 20.09.2010 Marburg, Deutschland
Schweizerische Nachwuchstagung der Asienwissenschaften 02.05.2010 Monte Verità, Schweiz
2. Bern-Erlanger Workshop 28.01.2010 Erlangen, Deutschland
16. DAVO-Kongress 08.10.2009 Bonn, Deutschland
Forschungskolloquium Islamwissenschaft Schweiz (foki) 02.10.2009 Bern


Communication with the public

Communication Title Media Place Year
Media relations: print media, online media infostelle - Online-Plattform für das Sozialwesen, INFOLETTER (Informationen für Beitrag "Islam und Soziale Arbeit" German-speaking Switzerland 24.10.2008

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
145064 Muslimische Wohltätigkeit in der Schweiz 01.09.2012 Publication grants

Abstract

Das Forschungssprojekt strebt an, Einblicke in die Wohltätigkeitskonzepte und die praktizierte Wohltätigkeit von Muslimen in der Schweiz zu geben. Es knüpft an aktuelle Debatten über islamische Wohltätigkeitsmodelle in muslimischen Ländern einerseits sowie internationale Diskussionen über die Unterstützung von Terrorismus durch islamische Hilfswerke andererseits an.Ziel ist es, Erkenntnisse über die Vorstellungen und Formen von Wohltätigkeit in den muslimischen Gemeinschaften in der Schweiz zu gewinnen, insbesondere ob, über welche Mechanismen und wofür Muslime spenden und anderweitiges wohltätiges bzw. zivilgesellschaftliches Engagement zeigen. Um der Heterogenität der muslimischen Bevölkerung in der Schweiz zumindest teilweise Rechnung zu tragen, sollen in die Untersuchung Muslime unterschiedlicher nationaler und sprachlicher Herkunft, unterschiedlicher religiöser Orientierung innerhalb des Sunnitentums sowie in Vereinen organisierte (i.S.v. regelmäßigen Moschee- bzw. Vereinsbesuchen) als auch nicht organisierte Muslime in der Romandie und der Deutschschweiz einbezogen werden; dabei werden Muslime beider Geschlechter und verschiedenen Alters respektive unterschiedlicher Einwanderungszeit berücksichtigt. Von der großen Zahl nicht organisierter Muslime werden vorwiegend Studenten, d.h. eine von ihrem Ausbildungsstand her gesehen recht homogene Gruppe, in der Stichprobe erfasst. Aufgrund des unterschiedlichen Migrationshintergrundes und der verschiedenen Sprach- und Kulturprägungen durch die Familie, die Mehrheitsgesellschaft und die Vielfalt ihrer religiösen und politischen Orientierungen, verspricht gerade diese Gruppe einen ergiebigen Vergleich mit organisierten Muslimen, nicht zuletzt mit den organisierten Studenten unter ihnen. Es sollten so zum einen individuelle Profile erfasst und analysiert werden und zum anderen einander ähnelnde Profilgruppen im Sinne von Idealtypen nach Spender- bzw. Wohltätigkeitstypen klassifiziert werden können.Zentrale Fragen hierbei sind: An welchen ‚emischen’ Normen orientieren sich Muslime in der Schweiz in ihrer Wohltätigkeit? Welche Bedeutung haben Vorstellungen und Traditionen aus den Ursprungsländern und welchen Einfluss übt das jeweilige soziale Umfeld in der Schweiz auf sie aus? Inwieweit hat die religiöse bzw. ideologische und die nationale Ausrichtung eines Vereins Einfluss auf die Bildung dieser Vorstellungen und das tatsächliche Spendeverhalten seiner Mitglieder und regelmäßigen Besucher? Wie gestaltet sich das Verhältnis zwischen Geber und Empfänger einer Gabe?Neben dem Spendeverhalten, das im Zentrum der Untersuchung steht, bezieht der in dieser Arbeit verwendete ‚etische’ Wohltätigkeitsbegriff auch das Stiften, ehrenamtliche Tätigkeiten sowie die Arbeit islamischer Hilfswerke ein, d.h. Aktivitäten, die im Bereich der in letzter Zeit viel diskutierten ‚Zivilgesellschaft’ liegen.In Bezug auf die Integrations- und Minderheitenthematik in der Schweiz ist es von großem Interesse zu erforschen, inwieweit wohltätige Einrichtungen und Praktiken den Muslimen in der Schweiz und möglicherweise auch Nichtmuslimen zugute kommen und die Wohltäter damit einen Beitrag zur Verbesserung ihrer eigenen Lebenssituation leisten sowie zur sozialen und politischen Integration in die Mehrheitsgesellschaft und zu einer stärkeren Akzeptanz innerhalb der Mehrheitsbevölkerung beitragen.Der theoretische Teil der Arbeit beschäftigt sich mit der Gegenstandsbestimmung und - auf diachroner wie synchroner Ebene - mit normativen und sozialen Aspekten muslimischer Wohltätigkeit. Der empirische Teil der Untersuchung ist akteursbezogen und einem mikrohistorischen Ansatz verpflichtet. Er bedient sich qualitativer sowie quantitativer Methoden und zielt auf ein deskriptiv-explorierendes Nachvollziehen der Wohltätigkeitsvorstellungen und -praktiken von Muslimen in der Schweiz. Dabei sollen sowohl die subjektiv-intentionalen Sinngehalte der einzelnen Individuen erhoben und beschrieben als auch die mit anderen Muslimen wie auch der Schweizer Mehrheitsbevölkerung sozial geteilten Sinngehalte und Deutungsmuster rekonstruiert werden. Dies impliziert die Erfassung des jeweiligen soziopolitischen Kontextes in dem die beteiligten Akteure (Geber, Vermittler, Empfänger) agieren.Die Verknüpfung eines historisch-ideengeschichtlichen mit einem empirischen Zugang erscheint der Komplexität der Fragestellung angemessen.
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