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Tragödie und Komödie im Politischen. Ästhetische Dimensionen politischer Transformation

English title On Tragedy and Comedy as Political Concepts. Aesthetic Dimensions of Political Transformation
Applicant Hunter Leonie
Number 184090
Funding scheme Doc.Mobility
Research institution Département de Philosophie Ecole Normale Supérieure
Institution of higher education Institution abroad - IACH
Main discipline Philosophy
Start/End 01.02.2019 - 31.01.2020
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All Disciplines (3)

Discipline
Philosophy
Political science
Music, Theatre

Keywords (9)

Demokratische Kultur; Tragödientheorie; Ästhetik; Demokratietheorie; Politische Differenz; Gegenwartsdiagnose; Politische Philosophie; Komödientheorie; Postfundamentalismus

Lay Summary (German)

Lead
Die alltägliche Rede von demokratischen Tragödien und politischen Komödien ist mehr als nur Metapher: Sie beleuchtet die politischen Prämissen unserer liberalen Kultur der Demokratie auf eine Weise, die deren progressives Potential ebenso herausstellt, wie die ihr innewohnende Gefahr politischer Regression.
Lay summary

Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts:

Die gegenwärtige Krise liberaler Demokratien zeugt von einer tragischen Ironie. Was auf den ersten Blick wie eine beiläufige Diagnose unserer politischen Zeit erscheinen mag, ist nicht leicht von der Hand zu weisen. Denn das szenische Bild der Tragödie und die mit ihr verbundene, ironische Wendung einer progressiven Entwicklung gegen sich selbst, treffen die westlichen Demokratien in ihrem kulturellen Kern. Um diesen Zusammenhang besser zu verstehen und systematisch zu konzeptualisieren, werden neuere Ansätze der Demokratietheorie auf ebenso innovative, wie kritische Weise mit der ästhetischen Theorie des Dramas verbunden und auf die Möglichkeit ihrer komischen Wendung hin befragt. Das damit verbundene Ziel ist es, über die Erörterung dramatischen Handelns ein anspruchsvolles philosophisches Verständnis demokratischer Kultur herauszuarbeiten, das es erlaubt, die Errungenschaften der liberalen Demokratie gegen sich selbst zu verteidigen. 

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext:

Das Forschungsprojekt soll dazu beitragen, die gegenwärtigen Krisen liberaler Demokratien in ihrer kulturellen Dimension zu erschliessen. Ein solches Verständnis wird es erlauben, die der liberalen Demokratie inharänte Gefahr, sich gegen sich selbst zu wenden, besser zu verstehen und Praktiken politischer Kulturen zu beleuchten, die diese Problemstellung auf dezidiert demokratische Weise adressieren. Ziel des Dissertationsprojektes ist es, nicht nur die philosophischen Debatten der politischen Theorie und der Ästhetik voranzutreiben, sondern auch einen Beitrag an eine hochaktuelle gesamtgesellschaftliche Debatte zu leisten, der zu einer ebenso kritischen wie konstruktiven Selbstreflexion unserer politischen Kultur beitsteuern soll. 

Key Words:

Politische Philosophie, Demokratie, Drama, Tragödie, Komödie, Ästhetik, Liberalismus
 
Direct link to Lay Summary Last update: 13.12.2018

Responsible applicant and co-applicants

Communication with the public

Communication Title Media Place Year
Media relations: print media, online media Lob der Oberfläche FORM International 2020

Abstract

Zusammenfassung: Tragödie und Komödie im Politischen. Ästhetische Dimensionen politischer TransformationAngesichts der politischen Krisenlage, in der sich zahlreiche liberale Demokratien des Westens zurzeit befinden, stellt sich zunehmend die Frage, welche Rolle dabei der Kultur politischen Handelns zukommt. Da im Kontext differenztheoretischer Demokratietheorien (u.a. Derrida, Marchart, Lefort, Rancière) noch kein begriffliches Instrumentarium entwickelt wurde, das es erlaubt, die kulturelle Dimension aktueller Krisen liberal-demokratischer Politik angemessen zu erklären, möchte ich auf diesen Forschungsbedarf eingehen, indem ich deren politisch-philosophischen Prämissen mit Denkfiguren aus der ästhetischen Ideengeschichte ergänze. Im Anschluss an postfundamentalistische Demokratietheorien einerseits und an ästhetische Diskurse zum Verhältnis von Tragödie und Komödie bei Hegel (u.a. Gamm, Hamacher, Khurana) andererseits, erschliesse ich die gegenwärtige, demokratische Kultur des Liberalismus und diskutiere, inwiefern diese in einer tragisch-ironischen Wendung gegen sich selbst zu aktuellen Dysfunktionalitäten im Politischen beiträgt. Das damit verbundene Ziel ist es, durch eine innovative Verknüpfung von philosophischer Begriffsarbeit mit aktuellen politischen Krisendiagnosen, ein Verständnis von demokratischer Kultur herauszuarbeiten, das es erlaubt die Errungenschaften liberaler Demokratien gegen sich selbst zu verteidigen. Damit soll ein profunder philosophischer Beitrag zu einem besseren Verständnis der politischen Krisen unserer Zeit geleistet werden und an eine hochaktuelle Debatte angeschlossen werden, die nicht nur die akademische Philosophie bewegt, sondern auch von grossem gesamtgesellschaftlichen Interesse ist. Für den geplanten Mobilitätsaufenthalt an der École Normale Supérieure (ENS) in Paris ist eine tiefgreifende Recherche und die Abfassung des praktischen Teils der Dissertation vorgesehen, in dem ich beabsichtige, die kulturelle Dimension aktueller Krisen anhand von konkreten politischen Beispielen zu erschliessen. Hierfür plane ich, mich intensiv mit den akademischen Debatten um politische Krisendiagnosen in Frankreich auseinanderzusetzen und, unter Anwendung der in Anschluss an Hegel entwickelten Begriffe der Tragödie und Komödie im Politischen, zu einem differenzierten Verständnis demokratischer Kultur beizutragen.
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