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Was sind Identitätskriterien?

English title What are Identity Criteria?
Applicant Wörner David
Number 183836
Funding scheme Postdoc.Mobility
Research institution Philosophisches Seminar Fachbereich Philosophie Universität Hamburg
Institution of higher education Institution abroad - IACH
Main discipline Philosophy
Start/End 01.08.2019 - 31.07.2022
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Keywords (7)

Identität; Identitätskriterium; Metaphysik; Referenz; Ontologie; Essenz; Sprachphilosophie

Lay Summary (German)

Lead
Was meinen wir, wenn wir von Häusern, von Kunstwerken, von Pflanzen und Tieren, von Firmen und Nationen, und auch von Personen, sie blieben über die Zeit hinweg dieselbe?
Lay summary

Wir gehen im Alltag ganz selbstverständlich davon aus, dass sehr unterschiedliche Dinge über die Zeit hinweg dieselbenbleiben. Heute bin ich dieselbe Person wie gestern, ich arbeite noch bei derselben Organisation, ich gehöre noch derselben Nation an, ich sitze wieder auf demselben Stuhl und ich streichle dieselbe Katze, die es sich schon gestern auf meinem Schoss gemütlich gemacht hat. Dennoch ist die Identität all dieser Gegenstände fragil: Personen, Katzen, Stühle, Nationen usw. können zwar auch dann dieselben bleiben, wenn sie sich verändern – aber sie können nicht jedeVeränderung überstehen. Wird ein junges Kätzchen zum ausgewachsenen Kater, bleibt es dasselbe; wenn es aber verendet und sein Kadaver sich zersetzt, gibt es nichts mehr, womit das Kätzchen identisch wäre. Doch wo liegt genau die Grenze zwischen Veränderungen der ersten und Veränderungen dieser zweiten Art? Und ist diese Grenze von Natur aus festgelegt? Oder sind vielmehr wires, die sie ziehen? Diese Fragen will ich in dem Forschungsprojekt angehen, indem ich die in der Philosophie verbreitete Rede von Kriteriender Identität zu klären versuche.

Direct link to Lay Summary Last update: 09.04.2019

Responsible applicant and co-applicants

Abstract

Man stelle sich eine Bronzestatue vor. Wird die Statue eingeschmolzen, hört sie auf zu existieren. Für das Material aus dem sie besteht - die Bronzemasse - gilt dies nicht: Nach der Einschmelzung kann dieselbe Bronzemasse als Material einer neuen, zweiten Statue dienen. Die Bronzemasse bleibt in diesem Fall über die vollständige Veränderung ihrer Gestalt hinweg dieselbe, während es sich bei den Statuen, die sie vor und nach der Einschmelzung formt, um zwei verschiedene Statuen handelt. Diese einfache Beobachtung illustriert, wie eng die Identität eines Dings - welches Ding es ist - mit der Frage zusammenhängt, um was für ein Ding - und das heißt, um welche Art von Ding - es sich bei ihm handelt. Die Bedingungen der Identität eines Dings, so könnte man die Beobachtung zusammenzufassen versuchen, scheinen davon abzuhängen, zu welcher Art das Ding gehört: Bronzestatuen sind niemals identisch, wenn sie eine völlig andere Gestalt aufweisen; ein und dieselbe Bronzemasse hingegen kann zu verschiedenen Zeitpunkten ganz andere Gestalten annehmen. Folgt man einer Redeweise, die sich in der Philosophie eingebürgert hat, kann man sagen: Das Kriterium der Identität eines Dings kann mit seiner Artzugehörigkeit variieren. Ausgehend von dieser Feststellung lässt sich die zentrale Frage formulieren, die ich im beantragten Projekt in Angriff nehmen möchte: Woran liegt es, dass Dinge unterschiedlicher Arten verschiedenen Identitätskriterien unterworfen sein können? Man denke erneut an die Bronzestatue und die Bronzemasse, aus der die Statue besteht: Woran liegt es, dass diese beiden Dinge verschiedenen Identitätskriterien unterworfen sind? An der Gestalt, dem Gewicht, dem Aussehen oder der Zusammensetzung der Teile der beiden Dinge kann es nicht liegen - denn in all diesen Hinsichten stimmt die Statue mit der Bronzemasse, aus der sie besteht, vollkommen überein. Woran aber liegt es dann? Im beantragten Projekt soll, unter Berücksichtigung neuerer Entwicklungen in der Metaphysik, eine Konzeption von Identitätskriterien entwickelt werden, auf deren Grundlage sich diese Frage beantworten lässt. Dabei soll es insbesondere darum gehen, zwei alternative Antworten auf die Frage zu vergleichen: Nach einer realistischen Auffassung wird das Identitätskriterium, das einem Ding zukommt, durch die geist- und sprach- unabhängige Natur des in Frage stehenden Dinges bestimmt. Nach einer konventionalistischen Auffassung hingegen rühren Identitätskriterien von sprachlichen Konventionen her, die die Bedeutung von Artausdrücken (oder „sortalen“ Ausdrücken) festlegen. Obwohl eine solche konventionalistische Auffassung in der analytischen Philosophie einst vorherrschend war, gilt sie heute als überholt. Im beantragten Projekt will ich dieser Ansicht entgegentreten und eine konventionalistische Position entwickeln, die den heute gängigen, äusserst elaborierten und differenzierten Positionen überlegen ist. Da die in diesem Projekt erörterte Frage eine Grundfrage der Metaphysik ist, ist das Ergebnis des Projekts für verschiedene Teilbereiche der Philosophie von Bedeutung. Beispielsweise wird die Frage, worin das Identitätskriterium von Personen liegt, spätestens seit der frühen Neuzeit intensiv diskutiert. In anderen Bereichen der Philosophie wird nach den Identitätskriterien etwa von Handlungen, von Tatsachen oder von Propositionen gefragt. Das beantragte Projekt verspricht neue Impulse für diese Debatten und soll mir längerfristig als Grundlage für Arbeiten in einzelnen dieser Bereiche dienen.
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