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Sebastian Brant im Schnittfeld frühneuzeitlicher Textkulturen

Applicant Marx Friedhelm
Number 182255
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Institut für Germanistik Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Institution of higher education University of Basel - BS
Main discipline German and English languages and literature
Start/End 01.02.2019 - 31.01.2022
Approved amount 299'137.00
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All Disciplines (2)

Discipline
German and English languages and literature
Ancient history and Classical studies

Keywords (11)

Narrenliteratur; Flugblatt; Gender Studies; Druckerstadt Basel; Humanismus; Text und Bild; Inkunabeldruck; Epigrammatik; Männlichkeitsforschung; Paratext; Mediengeschichte

Lay Summary (German)

Lead
Sebastian Brant hat mit seinem 'Narrenschiff' (1494) ein Schlüsselwerk der Frühen Neuzeit geschaffen, das die medialen Innovationen des Buchdrucks kompositorisch nutzt, indem aus graphisch strukturierten Textelementen in Kombination mit Holzschnitten ein sinnstiftendes Ganzes geschaffen wird. Das Modell wurde richtungsweisend für weitere Textsorten und eröffnete perspektivenreiche Möglichkeiten gedruckter Kommunikation.
Lay summary

Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts

Im Zentrum des Projekts stehen Fragen, wie der humanistische Gelehrte den mit der Erfindung des Buchdrucks initiierten medialen Wandel in Latein und Volkssprache prägte. Indem die zeitgleich zum 'Narrenschiff' entstandene lateinische poetische Produktion Brants mit in den Fokus gerückt wird, kommt das Projekt einem lange bestehenden Forschungsdesiderat entgegen. Untersucht werden die Strukturen der Text-Bild-Konfigurationen: einerseits mit Blick auf die Narrenkonzeption, welche unter genderspezifischer Perspektive analysiert und in ihrer unmittelbaren Nachwirkung bei Johann Geiler von Kaysersberg und bei Thomas Murner beleuchtet wird; andererseits hinsichtlich Brants lateinischer Gedichte, welche im Rahmen von Textsorten Relevanz gewinnen, die genuin mit der Erfindung des Buchdrucks zusammenhängen: Zu nennen sind das Flugblatt, das paratextuell verwendete Einlei­tungsstück sowie die konzeptuell arrangierte, in sich geschlossene Textsamm­lung. 

 

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

Der im Falle Brants frappierenden Disparität von Pub­likationsformen, Kontextbildungen und diskursiven Rahmenbedingungen wird in diesem Projekt Rechnung ge­tragen durch eine methodische Zusammenführung von editionsphilologischer Materialerschließung, formen- und wissensgeschichtlicher Kontextualisierung sowie der diskursanalytischen Reflexion von sozial- und gender­spezi­fischen Wirkungsstrategien und Rezeptionsweisen. Die Verklammerung mediengeschichtlicher mit gattungspoetischen Überlegungen sowie mentalitäts- und bildungshistorischen Aspekten wird für die interdisziplinäre Frühe Neu­zeit-Forschung vielfältige Anknüpfungspunkte für Folgestudien bieten.

Direct link to Lay Summary Last update: 29.11.2018

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Abstract

Das Forschungsprojekt setzt sich mit Sebastian Brant als einer Schlüsselfigur des epochalen Umbruchs auseinander. Im Zentrum stehen Fragen, die sich mit der Art und Weise beschäftigen, wie der Gelehrte den mit der Erfindung des Buchdrucks initiierten medialen Wandel prägte, indem er die Spezifika der Drucktechnik nutzte, um auf der Basis tradierter Wissensbestände neue Textsorten und Formen der Kommunikation zu gestalten. Eine signifikante Rolle spielen hierbei Aspekte der kompositorischen Juxtaposition von Text und Bild, der Rekontextualisierung bereits gedruckter Texte und/oder Bilder in jeweils anderen Zusammenstellungen sowie der parallelen Verwendung von Latein und Volkssprache. Insbesondere das im letzten Basler Jahrzehnt entstandene Werk Brants kann als ein Brennpunkt des Übergangs und der Transformation medialer Kommunikation betrachtet werden. Die Teilprojekte beleuchten je unterschiedliche Dimensionen dieses Themenkomplexes, wobei Brants Hauptwerk, das 'Narrenschiff', zwar im Mittelpunkt steht, dessen Untersuchung jedoch flankiert wird durch die Auseinandersetzung mit anderen Texten sowohl Brants als auch seiner Zeitgenossen, mit dem Ziel, einzelne Charakteristiken der durch ihn wesentlich (mit-)beeinflussten textuellen und medialen Innovationen der Zeit genauer zu analysieren.
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