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The structure and development of understanding actions and reasons

English title The structure and development of understanding actions and reasons
Applicant Glock Hans-Johann
Number 177630
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Philosophisches Seminar Universität Zürich
Institution of higher education University of Zurich - ZH
Main discipline Philosophy
Start/End 01.09.2018 - 30.04.2022
Approved amount 316'500.00
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All Disciplines (2)

Discipline
Philosophy
Psychology

Keywords (11)

facts and states of affairs; action explanation; goal directed behaviour; cognitive architecture; social cognition; reasons for action; ontogeny; objective reasons; mental files; theory of action; developmental psychology

Lay Summary (German)

Lead
Im Alltag erklären wir die Handlungen anderer Menschen unter Verweis auf die Gründe, aus denen sie handeln. Ziel dieses interdisziplinären Projekts ist es zu erforschen, wie genau die Natur der Gründe beschaffen sein muss, mittels derer wir Handlungen verstehen, wie die kognitive Architektur zu beschreiben ist, welche unseren Handlungserklärungen zugrunde liegt und wie Kinder schrittweise lernen, Handlungen anderer unter Verweis auf deren Gründe zu verstehen.
Lay summary

An der Universität Zürich wird das Teilprojekt verfolgt, eine philosophische Konzeption von Handlungsgründen und -erklärungen zu entwickeln, mittels derer sich die Ontogenese und Struktur von Handlungserklärungen erfassen lässt. Im Zentrum steht hier die Unterscheidung von objektiven Gründen – Tatsachen, aufgrund derer jemand handelt – und subjektiven Gründen – bloß vermeintlichen Tatsachen, die eine Person zum Handeln bewegen. Es wird außerdem untersucht, wie sich ‚rationale‘ Handlungserklärungen, die sich auf Gründe berufen, mit ‚teleologischen‘ Erklärungen verbinden lassen, die das Handlungsziel in den Mittelpunkt stellen. Schließlich wird untersucht, wie die vorgeschlagene Konzeption von Handlungsgründen begreiflich machen kann, dass unsere Gründe auch in einem gewissen Sinn Ursachen unserer Handlungen sind.

Das interdisziplinäre Projekt, in dem Forscher und Forscherinnen aus Zürich, Salzburg und Bochum zusammenarbeiten, vereint philosophische, kognitionswissenschaftliche und entwicklungspsychologische Ansätze. Sein Ziel ist es, eine umfassende Theorie der Struktur und Entwicklung der menschlichen Fähigkeit, die Gründe und Handlungen anderer zur verstehen, aufzustellen.

Direct link to Lay Summary Last update: 08.03.2018

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Project partner

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
130226 Die Anthropologische Differenz: Denken, Sprechen, Handeln 01.09.2010 ProDoc

Abstract

Dieses Projekt zielt auf eine umfassende Theorie der Struktur und Entwicklung des Verstehens von Handlungen und Gründen ab. Es beschränkt sich auf die Untersuchung unseres Verstehens, nicht der Ausführung, von Handlungen anderer Personen, nicht der eigenen. Dazu sind philosophische und verhaltenswissenschaftliche Forschung eng verzahnt, um innerhalb eines interdisziplinären Projekts eine adäquate philosophische Theorie zu entwickeln und empirisch zu testen. Es gibt drei Teilprojekte: (1) Philosophische Untersuchung einer nicht-psychologistischen Konzeption von Handlungsgründen (Arbeitshypothese a): Eine Konzeption von Gründen als objektiven Fakten erlaubt Handlungserklärungen anhand von objektiven (Fakten) und subjektiven Gründen (Überzeugungen), wenn letztere als Perspektiven auf objektive Tatsachen angesehen werden, wobei falsche Überzeugungen potenzielle Fakten repräsentieren (Zürich: Glock). (2) Theoretische Entwicklung und empirische Überprüfung eines teleologischen Stufenmodells der Intentionalität zur Beschreibung der Entwicklung unseres Verstehens anderer durch die Unterscheidung von Typen von Handlungserklärungen (Arbeitshypothese b): Von 6-12 Monaten verstehen Kinder zielgerichtete Handlungen anderer nur als Regularitäten. Ab 18 Monaten erwerben sie ein teleologisches Verständnis von Handlungen basierend auf der Evaluation von erstrebenswerten Zielen. Erst mit ca. 4 Jahren verstehen Kinder, dass intentionale Handlungen anderer durch subjektive Gründe motiviert sein können, d.h. sie erklären Handlungen durch Zuschreibung von Überzeugungen als Perspektiven auf objektive Tatsachen (Bochum: Schlicht, Salzburg: Perner). (3) Formulierung einer naturalistischen philosophischen Theorie über die kognitive Architektur mittels der Theorie mentaler Ordner, angewendet auf die Entwicklung des Verstehens von Überzeugungen und Gründen (Arbeitshypothese c): Die Theorie mentaler Ordner erklärt, wie unser Wissen über die Welt und Andere repräsentiert und strukturiert ist und erklärt den Befund, dass Kinder zwischen 7 und 15 Monaten schon implizit falsche Überzeugungen anderer verstehen, aber erst mit 4 Jahren explizit dieses Verständnis formulieren können (Bochum: Newen, Salzburg: Perner). Alle philosophischen Projekte sind wechselseitig abhängig und zudem gebunden an empirische Untersuchungen. Dieses ambitionierte Projekt liefert substanzielle und originelle Beiträge zu zentralen Debatten in der Philosophie des Geistes, Handlungstheorie und Kognitionswissenschaft der sozialen Kognition. Experten aus Bochum, Salzburg und Zürich arbeiten eng zusammen in einer einzigartigen interdisziplinären Konstellation, aus der eine umfassende, begrifflich kohärente und empirisch bestätigte Theorie der Struktur und Entwicklung unseres Verstehens von Handlungen und Gründen gewonnen wird.
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