Project

Back to overview

Die andere Welt - die Auffassung des Naturgeschehens als Sprache Gottes in den Arbeiten George Berkeleys. Eine kritische Untersuchung.

English title The new world view - Berkeley's conception of Nature as the Language of God. A critical examination.
Applicant Fasko Manuel
Number 172060
Funding scheme Doc.CH (until 2020)
Research institution Philosophisches Seminar Universität Zürich
Institution of higher education University of Zurich - ZH
Main discipline Philosophy
Start/End 01.03.2017 - 29.02.2020
Approved amount 212'813.00
Show all

All Disciplines (2)

Discipline
Philosophy
General history (without pre-and early history)

Keywords (15)

Theismus; Metaphysik; George Berkeley; Mechanismus; Immaterialismus; Wissenschaftsphilosophie; Naturphilosophie; Kausalität ; Geschichte der Philosophie; Sprachphilosophie; Philosophie des Geistes; Neuzeit; Metaphysics; Causality; History of Philosophy

Lay Summary (German)

Lead
Der irische Philosoph George Berkeley (1685-1753) ist über die Grenzen der Philosophie hinaus für seinen Immaterialismus berühmt. Berkeley war der Überzeugung, dass es nur Geister und Ideen gibt und dass etwas nur existiert, wenn es wahrnimmt oder wahrge-nommen wird. Dieser Immaterialismus - der seit über 300 Jahren kontrovers diskutiert wird - ist aber nicht das Thema meines Projektes. Vielmehr geht es, um Berkeleys nicht minder kontroverse These, dass das Naturgeschehen die Sprache Gottes ist.
Lay summary

Was meint Berkeley, wenn er das Naturgeschehen als Sprache Gottes bezeichnet? Diese Frage soll durch das Projekt beantwortet werden.

Insbesondere gilt es zu klären, in welchem Sinn Berkeley das Naturgeschehen als Sprache bezeichnet. Meint er dies wörtlich oder metaphorisch? Letzteres wäre besonders brisant, da er sich andernorts explizit gegen die Verwendung von Metaphern durch Philosophen ausspricht.

Es wird gezeigt, dass eine zentrale Motivation für Berkeley, dessen Verständnis von Kausalität war: Er lehnte die Auffassung ab, wonach Ursache und Wirkung notwendig verknüpft sind. „Notwendig“ heisst hierbei, dass die Wirkung unweigerlich auf die Ursache folgen muss. Der Grund für seine Ablehnung besteht darin, dass sich diese Notwendigkeit nicht beobachten lässt. Für Berkeley sind als Empirist die Sinne aber die einzige Basis für Wissen.

Für Berkeley handelt es sich bei Kausalität, um eine zufällige dennoch regelmässige Beziehung. Damit ähnelt die Beziehung von Ursache und Wirkung, jener zwischen Zeichen und Bezeichnetes. So hätte der Gegenstand Stein im Deutschen auch „Stone“ heissen können. Es ist ein weiteres Ziel des Projektes, Berkeleys eigenartige Auffassung von Kausalität detailliert zu untersuchen.

Berkeleys Auffassung steht im Kontrast zu René Descartes mechanistischer Auffassung des Naturgeschehens. Letzterer verstand das Naturgeschehen als ein Uhrwerk oder eine Maschine, wobei Kausalität für ihn eine notwendige Beziehung war. Es ist entscheidend, Berkeleys Auffassung im Kontrast und in der Auseinandersetzung mit jener Descartes’ zu analysieren – da Berkeley sie in Abgrenzung zu dieser entwickelte. Dies geschieht mittels einer kritischen und systematischen Auslegung von Berkeleys Schriften.

Die Auseinandersetzung mit Berkeleys Auffassung ist lohnenswert, da sie in den letzten 300 Jahren kaum Beachtung fand. Während Descartes mechanistische Auffassung – in moderneren Ausprägungen – bis heute unser Bild der Natur und Wissenschaft prägt.

Direct link to Lay Summary Last update: 22.02.2017

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
A Scotist Nonetheless? George Berkeley, Cajetan, and the Problem of Divine Attributes
Fasko Manuel (2018), A Scotist Nonetheless? George Berkeley, Cajetan, and the Problem of Divine Attributes, in Ruch Filozoficzny, 74(4), 33-50.
The Demystification of Nick Zangwill’s “Myth of Religious Experience”
Fasko Manuel (2017), The Demystification of Nick Zangwill’s “Myth of Religious Experience”, in Open Theology, 3(1), 370-379.
Molyneux's Question: The Irish Debates
FaskoManuel, West Peter, Molyneux's Question: The Irish Debates, in Ferretti Gabriele, Glenney Brian (ed.), Routledge, Oxford, x.
The Irish Context of George Berkeley's "Resemblance Thesis"
FaskoManuel, WestPeter, The Irish Context of George Berkeley's "Resemblance Thesis", in Pearce Kenneth, Oda Takaharu (ed.), CUP, Cambridge, X.

Collaboration

Group / person Country
Types of collaboration
Doktorandenkolloquium Theoretische Philosophie und Geschichte der Philosophie (UZH) Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Exchange of personnel
Early Modern Roundtable Chicago United States of America (North America)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Peter West Ireland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Publication
International Berkeley Society United States of America (North America)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Groningen Centre for Medieval and Early Modern Thought Netherlands (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Europäische Gesellschaft für frühneuzeitliche Philosophie Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Research Colloquium von Prof. Perler Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Exchange of personnel

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
Bucharest Graduate Conference in Early Modern Philosophy 8th Ed. Talk given at a conference How alike are Berkeley’s and Sergeant’s notions of likeness? 08.11.2019 Bukarest, Romania Fasko Manuel;
The Free Will Question at the Turn of the 18th Century Talk given at a conference De actio et voluntas – Berkeley’s notion of action and the problem of free-will. 26.09.2019 Neuchâtel, Switzerland Fasko Manuel;
Irish Philosophy in the Age of Berkeley Talk given at a conference The Irish Context of Berkeley’s „Resemblance Thesis“ 05.04.2019 Dublin, Ireland Fasko Manuel;
International Berkeley Society Conference: Berkeleian Minds: Will and Understanding Talk given at a conference “Speech metaphorical considerably more than we imagine” – Berkeley’s notion of (some) metaphors as analogies 02.04.2019 York, Great Britain and Northern Ireland Fasko Manuel;
The Berkeley Workshop at UW-Milwaukee Talk given at a conference Representation, Resemblance and the Scope of George Berkeley’s Likeness-Principle 19.10.2018 Milwaukee, United States of America Fasko Manuel;
International Berkeley Society Conference: Berkeley In Context Talk given at a conference The Hostile Bishops? Reassessing the Relationship between the Bishops of Cloyne and Cork 13.06.2018 Newport, RI, United States of America Fasko Manuel;
Causa sive ratio: cause, reason and explanation in the evolution of early modern physics and metaphysics Talk given at a conference Causes as signs and reasons as causes – George Berkeley’s distinction between physical and spiritual causes 14.11.2017 Mailand, Italy Fasko Manuel;
International Berkeley Society Conference: Berkeley’s Philosophy after the Principles and the Three Dialogues Talk given at a conference Berkeley’s Cajetan or Alciphron IV § 21 revisited 23.10.2017 Torun, Poland Fasko Manuel;


Awards

Title Year
Gewinner des Colin und Alisa Turbayne Essay Prizes 2019
Young Scholars Travel Award der International Berkeley Society. 2018

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
201310 Die Sprache Gottes - George Berkeleys Auffassung des Naturgeschehens 01.01.2021 Open Access Books

Abstract

Der irische Philosoph George Berkeley (1685-1753) ist neben John Locke (1632-1702) und David Hume (1711-1776) einer der drei wichtigsten britischen Empiristen. Berkeley ist über die Grenzen der Philosophie hinaus für seinen Immaterialismus berühmt: Existence is percipi or percipere - etwas existiert, wenn es perzipiert wird oder es perzipiert. Berkeleys Immaterialismus - es gibt keine von Menschen unabhängige materielle Substanz, sondern nur Ideen - wird in der Forschung seit über 300 Jahren kontrovers diskutiert. Bereits sein Zeitgenosse Samuel Johnson (1709-1784), wollte Berkeleys Immaterialismus durch den Tritt gegen einen Stein - für Johnson eine materielle Substanz - wiederlegt haben. Bisher wurde in dieser Diskussion ein entscheidender Aspekt seiner Philosophie vernachlässigt: Berkeleys Auffassung des Naturgeschehens als Sprache Gottes. „Naturgeschehen“ meint hierbei die Vorgänge und Ereignisse in der physikalischen Welt bzw. in ihren Bestandteilen - etwa Tieren oder Steinen. Diese Auffassung wurde in der Forschung in der Form von einzelnen Aufsätzen und Kapiteln behandelt. Sie war jedoch, mit drei Ausnahmen, nie Thema einer ausführlichen und kritischen Untersuchung, wobei keine dieser Ausnahmen bisher Berkeleys Auffassung unter der Berücksichtigung seines Gesamtwerkes, mit Descartes' mechanistischer Auffassung - das Naturgeschehen als Maschine - kontrastierte. Diese Lücke will ich mit meinem Dissertationsprojekt schliessen. Dazu soll folgende Frage beantwortet werden: Was meint Berkeley, wenn er das Naturgeschehen als Sprache Gottes bezeichnet? Die Untersuchung dieser Frage geschieht anhand dreier Arbeitshypothesen:(i)Ein tieferes Verständnis von Berkeleys Auffassung des Naturgeschehens ermöglicht ein besseres Verständnis verschiedener Bereiche der Philosophie Berkeleys: insbe-sondere seiner Auffassungen der physikalischen Welt, der Wissenschaft und der Kausalität (Verständnisthese).(ii)Berkeleys Auffassung des Naturgeschehens als Sprache Gottes lässt sich kohärent in Berkeleys restliche Philosophie einordnen. Insbesondere steht sie nicht im Wider-spruch zu seinem Empirismus (Einordnungsthese).(iii)Theismus und Immaterialismus sind keine notwendigen Bedingungen für eine semi-otische Auffassung des Naturgeschehens (Unabhängigkeitsthese).Die Forschungshypothesen (i) und (ii) ermöglichen es einerseits, einen exegetisch-historischen und andererseits einen systematischen Schwerpunkt auf den Begriff der Kausalität zu setzen. Sie unterstreichen die Relevanz des Dissertationsprojekts für die Berkeley-Forschung. Die anachronistische Arbeitshypothese (iii) verweist auf die zeitgenössische Relevanz meines Projekts, weil mit ihr herausgearbeitet wird, dass Berkeleys Auffassung eine Alternative zu der heute vorherrschenden Mathematisierung - die Welt wird am besten mit Hilfe mathematischer Formeln und Modelle beschrieben und erklärt - der (empirischen) Wissenschaften ist.Die Prüfung der Arbeitshypothesen (i)-(iii) erfolgt durch die kritische Textexegese von Berkeleys Gesamtwerk - unter besonderer Berücksichtigung von NTV, DM, TVV, Alciphron und Siris. Meine Arbeit basiert hierbei primär auf der neunbändigen Gesamtausgabe von Jessop und Luce (1948-57), welche neben Berkeleys Werken auch seine Korrespondenz und Predigten enthält. Berkeleys Texte werden in der Originalsprache (Englisch und Latein) gelesen und von mir eigenständig ins Deutsche übertragen. Dies ist notwendig, da Übersetzungen immer bereits eine Auslegung des Originals darstellen und ein Ziel meines Projektes eine eigenständige Deutung ist. Entsprechend spielt die kritische Textexegese und die systematische Rekonstruktion der Argumentation Berkeleys - besonders im ersten Kapitel - eine wichtige Rolle. Es handelt sich um eine kritische Exegese, die über eine einfache Wiedergabe der Argumentation hinausgeht. Vielmehr wird die Argumentation geprüft, Unklarheiten, Inkonsistenzen oder Widersprüche werden identifiziert und hinsichtlich ihrer Plausibilität kommentiert. Das zweite Kapitel steht im Zeichen der historischen Kontextualisierung von Berkeleys Argumentation. Diese Kontextualisierung ermöglicht Berkeleys Einordnung in die zeitgenössische Diskussion und verdeutlicht gegen wen und was er argumentiert. Darüber hinaus ist das dritte Kapitel ausgezeichnet durch das anachronistisch-konstruktive Vorgehen, in welchem die untersuchte Auffassung Berkeleys weiterentwickelt wird. Die Antwort auf die Frage, ob Berkeleys Auffassung des Naturgeschehens sich ohne Theismus und Immaterialismus begründen und vertreten lässt, soll Aufschluss über das Verhältnis der Auffassung und dieser Thesen geben und dadurch das Verständnis der Auffassung weiter verbessern sowie deren präzisere Einordnung in Berkeleys Philosophie ermöglichen.
-