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Spätmittelalterliche und frühneuzeitliche Holzbauten im Kanton Zug: Der Bohlenständerbau

Type of publication Peer-reviewed
Publikationsform Book (peer-reviewed)
Publication date 2015
Author Moser Brigitte,
Project Holzbauten des Mittelalters und der Neuzeit in der Zentralschweiz
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Book (peer-reviewed)

Publisher Amt für Denkmalpflege und Archäologie Zug, Zug
ISBN 978-3-9523409-4-3

Abstract

Im Gegensatz zur kompakten und vergleichsweise starren Bauweise des Blockbaus ist der Bohlenständerbau eine flexible Konstruktionsweise. Ist bei jenem das Geviert der liegenden Balken das Grundelement des Hausbaus, so ist es beim Ständerbau die Rahmenbauweise der Wand bestehend aus Schwelle, Ständer und Rähm sowie aus Kopf- und Fusshölzern zur Stabilisierung des Rahmenwerks. Bei der älteren Bauweise bestehen die Wandfüllungen im untersuchten Raum aus liegenden Bohlen, die in die Rahmenbalken eingenutet sind. Exemplarisch untersucht wurden sechs Bohlenständerbauten, die von 1371 bis 1483 im Gebiet der Zuger Stadterweiterung errichtet wurden. Ein Vergleich mit 17 weiteren Ständerbauten in der Gründungsstadt und in umliegenden Gemeinden lieferte die Grundlagen zur Ermittlung von Gestalt und Entwicklung des Bohlenständerbaus im Kanton Zug vom Spätmittelalter bis in die Frühe Neuzeit. Der Bohlenständerbau war jedoch insofern ein «Auslaufmodell», als seit dem 16. Jahrhundert zumindest im Kanton Zug keine solchen Bauten mehr errichtet wurden. Beim Bohlenständerbau handelt es sich um eine additive Bauweise, gewissermassen ein Baukastensystem, das architekturgeschichtlich nicht wie der Blockbau zur Bildung langlebiger Bautypen neigt. Dieser flexible Holzbautypus konnte sowohl in seiner flächenmässigen Ausdehnung als auch im vertikalen Ausbau leicht an gegebene Verhältnisse – Parzellengrösse, Gassenrandgestaltung – angepasst werden, was jedenfalls hinsichtlich der Grundfläche auch die ältesten im Boden fassbaren Überreste aus dem 13. Jahrhundert in der Gründungsstadt erkennen lassen. Wie der Blick auf frühe ländliche Bohlenständerbauten zeigt, die seit dem 15. Jahrhundert fassbar werden, lässt sich vermuten, dass sich die Bauweise jedenfalls in der Zuger Region in der Stadt entwickelte, was – so die These – an seinen Konstruktionseigenschaften des modularen Bauens auf engem Raum zusammenhängen dürfte. Liessen sich mit dieser modularen Bauweise Häuser ganz unterschiedlichen Bauvolumens herstellen, vom bescheidenen Haus Kollinplatz 21 bis zum beinahe herrschaftlichen Haus St.-Oswalds-Gasse 10, so weist dies darauf hin, dass Bohlenständerbauten unterschiedlichen Ansprüchen zu genügen hatten. Insgesamt wird man unter den Erbauern vor allem eine städtische, handwerklich geprägte «Mittelschicht» vermuten dürfen, was durch die spärlichen Überlieferungen – ein Metzger als Erbauer des Hauses St.-Oswalds-Gasse 10 – gestützt wird.
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