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Book Wahrnehmung von Hochspannungsleitungen in Kombination mit anderen Energieinfrastrukturen in unterschiedlichen Landschaftstypen
Publisher ETH Zürich Planning of Landscape and Urban Systems, Zürich

Open Access

Abstract

Durch den Wandel der Energiegewinnung hin zu erneuerbaren Energien ändern sich die Ansprüche an das schweizerische Übertragungsnetz und der Bau neuer Hochspannungsleitungen wird unumgänglich. Gleichzeitig sind durch den Ausbau der erneuerbaren Energien und insbesondere der Windenergie Auswirkungen auf das Landschaftsbild zu erwarten. Die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes ist auch einer der wichtigsten Faktoren für die Akzeptanz von Hochspannungsleitungen. Diese Studie untersucht die Auswirkungen von erneuerbarer Energieinfrastruktur auf die Akzeptanz und Störung von Hochspannungsleitungen. Dazu werden in einem Experiment mit 49 Probanden mittels Eye Tracking die Blickverläufe auf 3D-Landschaftsvisualisierungen aufgezeichnet. Es werden zwei naturnahe und zwei menschlich geprägte, urbane Landschaften mit Point Clouds visualisiert. In den Landschaften wird jeweils die grösse des Windparks zwischen zehn, drei oder keinen Windenergieanlagen variiert. Die Fixationen und Sakkaden während einer ersten, freien Betrachtung werden in einem Laborexperiment aufgezeichnet. In einem zweiten Teil werden während der Aufzeichnung der Augenbewegungen Fragen zum Gefallen der Landschaften und zu störend empfundenen Elementen gestellt. Die Blickverläufe während der durch die Fragen Top-down gelenkten Wahrnehmung werden ebenfalls erfasst. Diese Daten werden mit der durch einen Fragebogen erhobenen Bewertung von Akzeptanz und Störung der Hochspannungsleitungen verglichen. Während der freien Wahrnehmung zeigen die Resultate keinen Zusammenhang der Fixationsdauern auf den Hochspannungsleitungen mit der Bewertung von deren Störung und Akzeptanz. Zwischen Störung und Akzeptanz der Windenergieanlagen werden ebenfalls keine Zusammenhänge mit den Fixationsdauern festgestellt. Während dem Beantworten von Fragen werden dagegen in siedlungsgeprägten Landschaften die Hochspannungsleitungen von Probanden umso länger fixiert desto störender sie empfunden werden. Windenergieanlagen werden während der gelenkten Wahrnehmung in naturnahen Landschaften bei geringer Akzeptanz länger fixiert. Eine Verknüpfung der Fixationsdauer und Bewertung ist während der Top-down gelenkten Wahrnehmung somit teilweise möglich. Hochspannungsleitungen werden in Abhängigkeit der Anzahl vorhandener Windenergieanlagen nicht unterschiedlich störend bewertet oder akzeptiert. Die Fixationsdauern auf den Hochspannungsleitungen zeigen zwischen den verschiedenen Intensitäten der Ausprägung der erneuerbaren Energieinfrastruktur während der freien Wahrnehmung Unterschiede. Durch die Anwesenheit eines grossen Windparks wird die Fixationsdauer auf den Hochspannungsleitungen reduziert. Die Fixationsdauer in den Bereichen der Visualisierung mit Windenergieanlagen steigt mit der Anzahl vorhandener Windenergieanlagen. In siedlungsgeprägten Landschaften werden die Hochspannungsleitungen weniger störend bewertet und besser akzeptiert als in naturnahen Landschaften. Ob in den Landschaften Windenergieanlagen vorhanden sind, hat darauf keinen Einfluss. In den naturnahen Landschaften werden Hochspannungsleitungen öfters ungefragt als störendes Element genannt. Hochspannungsleitungen weisen nur in der Landschaft siedlungsgeprägtes Flachland unterschiedliche Fixationsdauern auf. Grosse Windparks werden von den Probanden in naturnahen Landschaften als weniger störend bewertet, während sich die Akzeptanz von kleinen Windparks zwischen naturnahen und urbanen Landschaften nicht unterscheidet. Die Resultate zeigen, dass es für die Akzeptanz von Hochspannungsleitungen eine untergeordnete Rolle spielt, ob in der Landschaft Windenergieanlagen vorhanden sind. Zwischen verschiedenen Landschaftstypen bestehen dagegen Unterschiede in der Akzeptanz und Störung der Hochspannungsleitungen. Ein Einfluss von weiteren Aspekten, wie befürchteten Gesundheitsrisiken und reduzierten Immobilienwerten, kann besonders in siedlungsgeprägten Landschaften, wo die Störung des Landschaftsbildes durch die Hochspannungsleitungen als gering empfunden wird, nicht ausgeschlossen werden. Die Methode des Eye Trackings zeigt sich als nützliches Instrument um die Verteilung der Aufmerksamkeit auf Landschaftsvisualisierungen zu erfassen. Eine Verknüpfung der daraus gewonnenen Fixationsdauern mit einer Befragung der Probanden ist am ehesten während einer Top-down gelenkten Wahrnehmung möglich. Eye Tracking kann eine Befragung zur Akzeptanz und Störung von Energieinfrastrukturen mit wertvollen Informationen zur Aufmerksamkeitsverteilung ergänzen. In einer weiterführenden Studie sollte die Aufmerksamkeitsverteilung während der Bewertung von Landschaftselementen genauer untersucht werden. Auch bleibt offen, wie weitere Aspekte neben der Beeinträchtigung des Landschaftsbildes die Akzeptanz von Hochspannungsleitungen beeinflussen.
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