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Schwelle, Block und Ständer. Ergebnisse eines Nationalfonds-Projektes zum Thema der spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Holzbauten im Kanton Zug

Type of publication Peer-reviewed
Publikationsform Original article (peer-reviewed)
Publication date 2014
Author Descoeudres Georges mit Anette Bieri JeanRichard Doris Klee und Brigitte Moser,
Project Holzbauten des Mittelalters und der Neuzeit in der Zentralschweiz
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Original article (peer-reviewed)

Journal Tugium
Volume (Issue) 30
Page(s) 83 - 94
Title of proceedings Tugium

Abstract

Regionale, auf baugeschichtlichen Untersuchungen basierende Synthesen unterschiedlicher Holzbaukonstruktionen spätmittelalterlicher und frühneuzeitlicher Entstehung fehlen in der Hausforschung bisher weitgehend. Einzelbauten lassen sich nur bedingt miteinander vergleichen, da es oft schwierig ist, Allgemeingültiges und Zeittypisches sowie individuelle Ausprägungen auseinander zu halten. Im regionalen Vergleich lassen sich konstruktive und typologische Eigenheiten sowie zeitliche und gegebenenfalls auch geographische Schwerpunktbildungen einfacher erkennen. Die parallelen Untersuchungen von Bohlenständerbauten und Blockbauten in der Region Zug zeigen gerade in ihrer diachronen Entwicklung erhebliche Differenzen zwischen Ständer- und Blockbauten, indem die ländlichen Blockbauten in ihrer konstruktiven, räumlichen und funktionalen Struktur sich verhältnismässig wenig veränderten, während die städtischen Bohlenständerbauten sich als viel wandlungsfähiger erwiesen mit dem Resultat, dass diese weit stärker fragmentiert erhalten waren als jene. Anhand ausgewählter Dokumentationen älterer Bauuntersuchungen sowie unter Einbezug laufender Untersuchungen wurden die städtischen Bohlenständerbauten in Zug und die ländlichen Blockbauten im Kantonsgebiet konstruktionstechnisch, bautypologisch sowie hinsichtlich ihrer Ausstattung untersucht. Die architekturgeschichtlichen Voraussetzungen bei den beiden Holzbauweisen waren insofern verschieden, als es sich bei den untersuchten Bohlenständerbauten um die ältesten ihrer Art in der Region handelte, während die Untersuchungen an den Zuger Blockbauten vor dem Hintergrund einer bis ins 12. Jahrhundert zurückreichenden Tradition – nachgewiesen in der benachbarten Talschaft Schwyz – anzugehen waren. Ergänzt werden die beiden konstruktionsspezifischen Monographien durch historische Studien zum Waldbau sowie zur Beschaffung und zum Transport des Bauholzes als Rohmaterial der Hausbauten. Überblickt man das zeitliche Auftreten von Konstruktions- und Ausstattungselementen bei den untersuchten Holzbauten, so zeigt sich, dass die Zeit um 1500 und auch die Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert Perioden des Umbruchs waren, da alte Konstruktions- und Ausstattungselemente verschwanden und neue Formen und Nutzungen auftauchten. Waren es zuerst vor allem zimmermannstechnische Neuerungen, so gewinnen seit dem 16. Jahrhundert vermehrt repräsentative Aspekte an Bedeutung. Tatsächlich erscheint das 16. Jahrhundert sowohl in konstruktiver als auch in repräsentativer Hinsicht als Höhepunkt in der Entwicklung speziell der Blockbauten, die in der Zentralschweiz bei einem gehobenen Anspruchsniveau seit dem 17. Jahrhundert vermehrt von Steinbauten abgelöst wurden.
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