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Original article (non peer-reviewed)

Journal Familienforschung Schweiz
Volume (Issue) 42
Page(s) 77 - 104
Title of proceedings Familienforschung Schweiz

Open Access

URL http://www.zora.uzh.ch/119423/
Type of Open Access Repository (Green Open Access)

Abstract

Ausgehend von der These, dass die Familie als Aushandlungsort des Politischen zu verstehen sei, untersucht dieser Beitrag exemplarisch Legimitationsstrate-gien im Zusammenhang von amtlich angeordneten Kindswegnahmen in der Schweiz des 20. Jahrhunderts. Dabei wird ersichtlich, dass bürgerliche Wertvorstellungen nicht nur durch die gesetzgebende politische Elite langfristig Eingang in den Alltag der Gesellschaft gefunden haben. Auch deren Implementierung durch die BeamtInnen fürsorgerischer Einrichtungen war von grosser Be-wandtnis, kam diesen doch die Deutungsmacht über die Auslegung der vorherrschenden Gesetze zu. Zudem wird nachgewiesen, dass Eingriffe in norm-abweichende Familien ambivalent motiviert waren: Einerseits galt es, BürgerInnen im Sinne der Wohlfahrt fürsorglich vor Unheil zu schützen. Andererseits wurde anhand der ausserfamiliären „Nacherziehung“ versucht, insbesondere nonkonformistische Kinder vorsorglich bürgerlicher Normen zu verpflichten, um damit die vorherrschenden Machtverhältnisse in Staat und Gesellschaft in die Zukunft hinein zu reproduzieren.
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