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Spätmittelalterliche und frühneuzeitliche Holzbauten im Kanton Zug: Der Blockbau

Type of publication Peer-reviewed
Publikationsform Book (peer-reviewed)
Publication date 2013
Author Bieri Anette,
Project Holzbauten des Mittelalters und der Neuzeit in der Zentralschweiz
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Book (peer-reviewed)

Publisher Amt für Denkmalpflege und Archäologie des Kantons Zug, Zug
ISBN 978-3-9523409-3-6

Abstract

Beim Blockbau handelt es sich um ein vergleichsweise starres Gefüge von liegenden Balken, die durch eine stabile, beidseits mit Holzdübeln gesicherte Eckverkämmung zu einer mehr oder weniger quadratischen «Kiste» zusammengefügt werden. Bei den Zentralschweizer Blockbauten besteht zudem regelmässig eine rechtwinklig zur Firstrichtung verlaufende Querwand, die zusätzlich das Grundgefüge des Hauses stabilisiert. In dieser Wand sowie in der vorderen Giebelwand sind die Zwischenwände der Wohnkammern fixiert. Im hinteren Hausteil sind die Kammern hingegen mit einem freistehenden Eckgewätt im Hausinnern abgezimmert. Die zumeist beidseitigen Eckkammern wurden seit dem 15. Jahrhundert mit querlaufenden Balken untereinander versteift, während die älteren Bauten eine entsprechende Versteifung zwischen der hinteren Giebelwand und der Querwand aufgewiesen hatten. Solche, in sich mehrfach versteifte Blockbauten vermochten Wind und Wetter zu trotzen und waren zudem in hohem Masse erdbebensicher. Die massive und kompakte Bauweise von Blockbauten ist zudem in hohem Masse wärmeisolierend, was sie für voralpine und alpine Regionen mit kalten und langen Wintern besonders geeignet macht. Die wärmeisolierenden Eigenschaften des Blockbaus machten diese Bauweise für die Epoche der sogenannten «Kleinen Eiszeit» besonders attraktiv. In Zug wurden bei der Stadterweiterung von 1478 bis 1536 mehrere Blockbauten errichtet, obwohl sich die ausgesprochen ländliche Bauweise nur schlecht zu einer Gassenfront in die Reihe stellen lässt. Gründe dafür sind nirgends vermerkt; sie dürften jedoch vornehmlich in der wäremisolierenden Eigenschaft dieser Bauten gelegen haben, zumal sich in dieser Zeit Holzknappheit bemerkbar machte, was der holzintensiven Bauweise des Blockbaus eher entgegenstand. Die massive und kompakte Bauweise bewirkte eine anhaltende Konstanz im Raumgefüge der Blockbauten; dies gilt sowohl für die Biographie des Einzelbaus als auch für die architekturgeschichtliche Entwicklung. Obwohl eine Verlängerung von Balken im Sinne einer Anstückung durchaus möglich ist und im Einzelfall auch vorgenommen wurde, sind für die Grundrissauslegung, d.h. für die Breite und Tiefe eines Hauses, die bautechnisch verwertbare Länge der Baumstämme – bei den Blockbauten fast ausschliesslich Tanne und Fichte – massgeblich. Abgesehen von den gewissermassen vorgegebenen Dimensionen dieser Bauten lässt sich das kompakte Gefüge der geschichteten und miteinander verkämmten Balken nur schwer auflösen. Auch in der architekturgeschichtlichen Perspektive veränderte sich das Raumgefüge von Blockbauten vergleichsweise wenig, was bedeutet, dass das spätestens im 13. Jahrhundert ausgebildete Zentralschweizer Modell des Blockbaus sich während Jahrhunderten bewährte. Dennoch sind im untersuchten Zeitraum – rund 1450 bis 1650 – im Raumgefüge dieser Bauten sehr wohl vielfache Veränderungen zu beobachten.
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