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Original article (peer-reviewed)

Journal Gradhiva. Revue d'anthropologie et d'histoire des arts
Volume (Issue) 26
Page(s) 143 - 157
Title of proceedings Gradhiva. Revue d'anthropologie et d'histoire des arts

Abstract

Gottfried Sempers Überzeugung, dass antike Architektur polychrom war, führte ihn zum Versuch, die kargen Farbenreste an griechischen und römischen Monumenten mit den praktisch fehlenden Angaben zur Farbe in der Architektur bei antiken Schriftstellern in Einklang zu bringen. Er bediente sich der Hermeneutik, auf die seine Formulierung des «divinatorischen Künstlersinns» weist. Gemeint war, fehlende Angaben zur Interpretation eines Textes aus dem Kontext zu erschliessen. An einer Stelle bei Herodot zu einem Orakel führte er dies vor. Anders als Franz Kugler, der die Stelle als Beleg für eine hauptsächlich weisse griechische Architektur verstand, nahm Semper den Orakelkontext und seine Rätselhaftigkeit ernst. Da im Orakel zugleich die rote Farbe eine zentrale Rolle spielt, nahm er einen Umkehrschluss vor: Er glaubte bestätigt, dass Rot die Hauptfarbe antiker Architektur war, über eine Methode der umkehrenden Analogie.
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