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Contribution to book (peer-reviewed)

Book Fund-Stücke – Spuren-Suche
Editor , Adriano Boschetti-Maradi Barbara Dieterich Lotti Frascoli Jonathan Frey Ylva Meyer und Saskia Ro
Publisher Akademie, Berlin
Page(s) 462 - 477
ISBN 978-3-05-005294-6
Title of proceedings Fund-Stücke – Spuren-Suche

Abstract

Der gemäss archäologischen Befunden nach 1493 erfolgte, aber nicht genauer datierbare Umbau des Hauses St.-Oswalds-Gasse 10 in Zug lässt sich dank eines speziellen Fundes zeitlich genauer verorten: Im ersten Obergeschoss kam ein bei diesem Umbau eingebrachter, flachgeschnitzter Zierfries zum Vorschein, der aufgrund stilistischer Merkmale aus den 1510er oder 1520er Jahren stammen dürfte und wohl von Peter Kälin, einem in Zug wohnhaften Tischma-cher angefertigt wurde. Die Flachschnitzerei befand sich in einem beim Umbau «versteiner-ten» und mit grossflächigen Wandmalereien ausgestalteten Raum. Sie zierte den Himmel der Nische eines gegen die Kirchenstrasse gerichteten Fensters. So war der Zierfries sowohl für die Bewohner, als auch für die Passanten sichtbar. Der mehrfach ausgezeichnete Raum dürfte repräsentativen Charakter gehabt haben. Die Auswertung des flachgeschnitzten Zierfrieses zeigt erstens, dass Schmuckelemente nicht nur wichtige Datierungskriterien sein können, sondern dass sie im Kontext mit den Befunden Datierungen in Frage stellen oder bestätigen können. Dabei wird deutlich, dass der Versuch, verschiedene Teilaspekte der Auswertung induktiv zu untersuchen und ganzheitlich zu ver-gleichen, eine differenziertere Datierung ermöglichen kann. Zweitens erfüllt der Flachschnitt als repräsentativer Raumschmuck einen ganz bestimmten Zweck und ist deshalb wie sämtli-che materiellen Äusserungen des Menschen eine dem Zeitgeist entsprechende Antwort auf ein bestimmtes Bedürfnis: Kulturgüter entstehen immer aus einer aktuellen Notwendigkeit und zwingend in einem kulturellen Zusammenhang. Darum sind Befunde, Funde und Schmuck-elemente fassbare Kulturgeschichte.
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