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Lay summary
Seit ihrer Revision zielt die Arbeitslosenversicherung in eine neue Richtung. Mit den Änderungen anfangs der Jahre 1996 und 1997 wurde der Bezug des Taggeldes nicht mehr nur an die Verpflichtung geknüpft, sich um Stellen zu bewerben. Neu stehen die gezielte Integration und Verbesserung der Qualifikationen von erwerbslosen Personen im Zentrum der Bemühungen. Damit verbunden sind Sanktionen, falls die Erwerbslosen nicht gewillt sind, ihre Vermittlungsfähigkeit zu erhöhen. Zur selben Zeit übernahmen die neuen regionalen Arbeitsvermittlungszentren den bis dahin von 3000 Gemeindearbeitsämtern ausgeführten Vollzug der Arbeitslosenversicherung.
Mit dem Forschungsprojekt wird das Ziel verfolgt, die Qualität der Beratungspraxis von regionalen Arbeitsvermittlungszentren zu untersuchen. Dank des gewählten mikrosoziologischen Ansatzes ist es möglich, zu den bereits bestehenden ökonomisch ausgerichteten Wirkungsanalysen der öffentliche Arbeitsvermittlung einen ergänzenden Beitrag zu leisten. Indem die einzelnen Interaktionen zwischen Erwerbslosen und PersonalberaterInnen ins Zentrum gestellt werden, wird ein Aspekt untersucht, der bis anhin nicht berücksichtige werden konnte. Doch dieser Aspekt ist im Hinblick darauf, ob das mit der Revision der Arbeitslosenversicherung gesteckte Ziel erreicht werden kann, von entscheidender Bedeutung. Es stellt sich konkret die Frage, wie sich die Beratungspraxis öffentlicher Arbeitvermittlung auf die Karrierenverläufe von Erwerbslosen auswirkt. Welches sind positive, welches sind negative Auswirkungen und was sind ihre Gründe? Welche hinter dem Rücken der Beteiligten sich realisierenden Mechanismen können verhindern, dass eine Beratung gelingt? Werden bei der Beratung allenfalls Vorurteile wirksam?

Um diesen Fragen eingehend nachzugehen, wird eine Auswahl von regionalen Arbeitsvermittlungszentren getroffen, die der strukturellen Vielfalt der Schweiz entspricht. Dabei werden die in diesen regionalen Arbeitsvermittlungszentren tagtäglich sich vollziehenden Interaktionen zwischen PersonalberaterInnen und Erwerbslosen protokolliert und anschliessend detailliert analysiert. Es gilt, geschlechtsspezifische Aspekte besonders zu berücksichtigen. Ziel ist es, einen Lerneffekt bei denjenigen zu erzielen, die in diesem Kontext eine «Schlüsselfunktion» ausüben, bei den PersonalberaterInnen der regionalen Arbeitsvermittlungszentren.