Lead
Bislang haben sich die digitalen Geisteswissenschaften weitgehend damit begnügt, Methoden aus anderen Bereichen zu übernehmen und kaum eine eigene Methodologie entwickelt. Die Fokussierung auf Methoden und Werkzeuge ist ein großes Hindernis für die Entwicklung von Computermodellen, die uns helfen könnten, neue Erkenntnisse zu Forschungsfragen der Geisteswissenschaften zu gewinnen.

Lay summary

Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts

Unser Ziel ist es, eine erkenntnistheoretische und methodologische Grundlage zu schaffen, um von Ad-hoc-Lösungen zu einem allgemeineren Verständnis zu gelangen. Wir konzentrieren uns auf zwei besonders dringende Fragen, die zusammen eine kritische Forschungslücke darstellen:

  1. Die digitalen Geisteswissenschaften stützen sich stark auf Korpora (Sammlungen von Texten, Bildern usw.). Die erkenntnistheoretischen Implikationen wurden jedoch weitgehend ignoriert. Wir schlagen vor, Korpora als phänomenotechnische Geräte zu betrachten: Einerseits modellieren sie das untersuchte Phänomen, andererseits konstruieren sie es.
  2. Modelle komplexer Phänomene beruhen auf zahlreichen Konzepten, die sich auf «Teilmodelle» beziehen. Als Bausteine stellen sie in den digitalen Geisteswissenschaften ein ernsthaftes erkenntnistheoretisches Problem dar, da sie die Grundlage für die Konstruktion von Korpora bilden, ohne genau definiert zu sein.

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

Über eine bestimmte historische Forschungsfrage oder ein einzelnes Konzept hinaus wird das Projekt ein methodologisches und epistemologisches Licht auf Computermodelle in der Geschichtswissenschaft werfen. Die gewonnenen Erkenntnisse können auch zu einem besseren Verständnis von Computermodellen außerhalb der wissenschaftlichen Forschung beitragen.