Lead
Seit der Jahrtausendwende hat man in Deutschschweizer St├Ądten festgestellt, dass sich die Aussprache des Schweizerdeutschen bei gewissen Jugendlichen zum Teil deutlich von den traditionellen Dialekten unterscheidet. Das Forschungsprojekt beschreibt lautliche Merkmale dieser Sprechweisen anhand von experimentellen Methoden und untersucht deren soziale Interpretation.

Lay summary

Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts

Der Begriff ‘Multiethnolekt’ bezieht sich auf Sprechweisen, die während den letzten Jahrzehnten in mehreren europäischen Städten entstanden sind. Multiethnolekte zeichnen sich durch Transformationen traditioneller Sprachformen aus und dienen dem Ausdruck einer neuen Gruppenidentität. Im Sprachgebrauch fallen neben typischen Gesprächspartikeln und grammatikalischen Vereinfachungen vor allem phonetische Besonderheiten auf. Dazu gehören unter anderem eine deutlich stimmhafte Aussprache der Konsonanten [b d g] sowie eine ‘starke’ Realisierung von [s] am Wortanfang. Zudem werden Multiethnolekte oft mit einer Art ‘Staccato’-Rhythmus gesprochen.

Im Forschungsprojekt wurde eine Datenbank angelegt, die aus Sprachaufnahmen von Jugendlichen besteht und gegenwärtig erweitert wird. Die Aufnahmen bestehen aus verschiedenen Sprechstilen (Leseprache u.a.). Neben der akustischen Auswertung bestimmter phonetischer Merkmale sollen Perzeptionsexperimente Aufschluss geben über die soziale Bedeutung multiethnolektaler Sprechweisen. 

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext des Forschungsprojekts

Das Projekt betreibt soziolinguistische Grundlagenforschung zu neuen Entwicklungen der Sprachsituation in der deutschsprachigen Schweiz. Die Dokumentation der sprachlichen Variation liefert auch Hinweise auf soziale Stereotype und deren Interpretation in einer multikulturellen Gesellschaft.