Lead
Wie gehen Menschen mit den Risiken und Unsicherheiten des modernen Lebens um? Das Ziel dieses Projekts besteht darin, Prozessmodelle von inter- und intraindividuellen Unterschieden beim Entscheiden unter Risiko zu entwickeln, um damit menschliches Verhalten besser erklären und vorhersagen zu können.

Lay summary
Die moderne Welt ist voller Risiken und Unsicherheit: Mit einer immer grösser werdenden Wahlfreiheit und zunehmenden Möglichkeiten seinen Lebensstil zu gestalten, liegt es im «Globalen Norden» mehr und mehr in den Händen einzelner Personen, wie sehr sie sich (lebensbedrohenden) Risiken aussetzen. Hinzu kommt, dass kulturelle, gesellschaftliche, und technologische Entwicklungen viele Aspekte vom modernen Leben zwar sicherer gemacht haben, solche Innovationen gleichzeitig aber auch fast immer mit neuen Risiken und Unsicherheiten einhergehen.

Menschen begegnen diesen diversen Risiken allerdings nicht statisch. Deshalb untersucht dieses Projekt nicht nur, wie sich Leute bezüglich ihrem Risikoverhalten untereinander unterscheiden, sonder auch, wie einzelne Personen «innerhalb von sich selbst» variieren. Um diese und verwandte Fragen zu beantworten ist es notwendig, ein Prozessmodell von Risikoverhalten zu entwickeln. Dazu wird dieses Projekt einen umfassenden Rahmen herstellen und Prozesserklärungen aus unterschiedlichen Theorien der Verhaltenswissenschaften integrieren. Um ein entsprechendes Prozessmodell zu testen, wird dieses Projekt neue Erhebungsmethoden verwenden und Risikoverhalten auch in Alltagssituationen untersuchen (z.B. via app-basierte Messungen, die kontinuierliche und situationsspezifische Daten liefern) – anstatt psychologische Prozesse nur in Laborsituationen zu untersuchen.

Schlussendlich sind prozessbasierte Erklärungen von individuellen Unterschieden im Risikoverhalten essentiell wenn es darum geht, neue Entscheidungsumgeben zu entwerfen, sowie neue Methoden für Prä- und Interventionen zu gestalten (in diversen Bereichen vom Leben wie in der Bildung, Finanzielles, oder Gesundheit). Zusätzlich versprechen prozessbasierte Erklärungen von Risikoverhalten auch, das menschliche Verhalten bei systemischen Risiken (z.B., menschlich verursachter Klimawandel, Finanzkrisen, politische Radikalisierung) besser zu verstehen. Bei Letzteren haben individuelle Risikoverhalten nicht notwendigerweise einen direkten Effekt auf das Leben einzelner Personen, sondern skalieren sich hoch und führen zu verzögerte Auswirkungen – und möglicherweise substantiellen Konsequenzen für die Gesellschaft als Ganzes.