Lead
Stellen Sie sich vor, Sie gingen an einem nebligen Morgen zum See angeln. Sie rudern mit Ihrem Boot zu Ihrer Lieblingsstelle, werfen die Angelleine aus und warten. Wie viel Zeit vergeht bis Sie schlussfolgern, dass Ihre Lieblingsstelle nicht so ertragreich ist wie sonst und Sie an einer anderen Stelle bessere Chancen hätten? Sind Sie inmitten des Nebels überhaupt sicher, an Ihrer Lieblingsstelle zu sein? Wir begegnen immer wieder vergleichbaren Situationen, in denen wir wichtige Entscheidungen treffen, obgleich weder Wahrnehmung (Standort auf dem See) noch Wert (Anzahl der Fische) gewiss sind. Viele Forschungsberichte beschäftigen sich mit Entscheidungsfindung und Lernen unter Unsicherheit der Wahrnehmung oder der des Wertes, aber nie beider zugleich. Dieses Projekt beabsichtigt eben das.

Lay summary

Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts

Wir werden ein Verhaltensexperiment entwickeln und durchführen, in welchem die Teilnehmenden versuchen so viele Punkte wie möglich zu sammeln, indem sie wiederholt eines von zwei Objekten auswählen. Diese Objekte sind nicht leicht zu unterscheiden (Wahrnehmungsunsicherheit) und die Anzahl der Punkte für jedes Objekt ändern sich (Wertunsicherheit). Um festzustellen welche theoretischen Annahmen das Verhalten der Teilnehmenden am besten erklären, werden den Annahmen entsprechende virtuelle Entscheider entwickelt und deren Verhalten mit dem der realen Teilnehmenden verglichen.

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext des Forschungsprojekts

So gibt das Projekt Erkenntnisse über eine zentrale Frage der Neurowissenschaften: Wie lernen und verhalten sich Lebewesen in einer ungewissen Umgebung. Diese Erkenntnisse sind Ausgangspunkt für weitere Forschung über die diesem Verhalten zugrunde liegenden neuronalen Mechanismen und den Einfluss psychiatrischer Störungen auf das Lernen und die Entscheidungsfindung.