Lead
Komplexe Finanzierungsstrukturen, geringe Subventionen und lokale Autonomie haben in der Schweiz dazu geführt, dass in zahlreichen Heimen und Anstalten ein Mangel an materiellen Ressourcen, geeigneten Wohn- und Schlafräumen, hygienischen Standards und ausgebildeten Fachkräften bestand, was für die platzierten Personen nicht selten zu menschenunwürdigen Lebensverhältnissen führte.

Lay summary

Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts

Die Studie untersucht die Finanzierungs- und Steuerungsmodelle des Heimwesens seit 1940 unter besonderer Berücksichtigung des Föderalismus im schweizerischen Wohlfahrtsstaat sowie dem Zusammenspiel zwischen staatlichen und privaten Akteuren. Aus wirtschaftswissenschaftlicher sowie sozial- und wirtschaftshistorischer Perspektive wird die Entwicklung der Finanzierungsmodelle auf Bundes-, Kantons- und lokaler Ebene analysiert. Wir betrachten drei kontrastierende Kantone und vergleichen diese miteinander. Neben der Entwicklung der Finanzierungsstrukturen interessiert, ob und wie mithilfe von Subventionspraktiken Reformschübe ausgelöst wurden, indem Subventionen an Bedingungen gekoppelt wurden. Noch heute weist die Finanzierung des Heimwesens heterogene Strukturen auf. Diese Komplexität soll über die Rekonstruktion der historischen Prozesse erschlossen werden.

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

Bisherige Forschungen zu den fürsorgerischen Zwangsmassnahmen haben in der Regel einen lokal begrenzten Raum untersucht und haben sich kaum mit wirtschaftshistorischen Fragen befasst. Die Studie öffnet den Blickwinkel auf den Föderalismus und verortet den Heimsektor in den breiteren Kontext der Sozialstaatsentwicklung in der Schweiz.