Lead
Könnte ein Roboter Mitschuld an einem tödlichen Verkehrsunfall tragen, wenn er den menschlichen Fahrer nicht rechtzeitig warnt? Erhöht sich die Schuld des Menschen, wenn er eine Roboterwarnung nicht beachtet und übersteuert? Dürfte der Roboter dann als Zeuge in einem nachfolgenden Strafverfahren auftreten? Wie begründen Gerichte Verurteilung oder Freispruch, wenn nicht ein menschlicher Fahrer, sondern digitale Fahrassistenten ein Unfallauto gesteuert haben?

Lay summary
Diese Fragen sind Gegenstand des Forschungsprojektes, das am Beispiel der Fahrautomatisierung insbesondere drei Problemstellungen untersucht: (1) mögliche Modifikationen der strafrechtlichen Zurechnung, insbesondere im Bereich der Fahrlässigkeitsdelikte, wenn Menschen die Warnung von digitalen Fahrassistenten (z.B. Müdigkeitsassistenten) übersteuern; (2) Reformbedarf im Strafverfahren, wenn sich Menschen künftig gegen «Maschinenzeugen» verteidigen müssen, weil ihnen die durch Fahrzeugassistenten gespeicherten und ausgewerteten Daten als Schuldbeweise entgegen gehalten werden; (3) neue Narrative in Urteilsbegründungen in Fällen, in denen Roboter im Grunde genommen als «Kopiloten» auch vor Gericht stehen müssten, aber nur Menschen angeklagt werden (können).