Lead
Im Zentrum des Projektes stehen Übernahmen spanisch-islamischer Bau- und Dekorformen in der christlichen und jüdischen Architektur des Mittelalters (Mudéjar) und der Neuzeit (17. Jh.-19. Jh.). Welches waren die Gründe für Übernahmen aus einem anderen Kulturkreis? Wie lässt sich dieses transkulturelle Phänomen kunsthistorisch fassen? Und stellt es nicht die traditionellen Fachgrenzen in Frage? Gleichzeitig gilt es Themen wie Motivtransfer, Rezeptionsverhalten oder Instrumentalisierung von Architektur kritisch zu diskutieren.

Lay summary
Inhalt und Ziel des Forschungsprojektes

Die islamische Präsenz auf der Iberischen Halbinsel zwischen 711 und 1492 begründete nicht nur die bis heute bestehende Sonderstellung Spaniens innerhalb Europas sondern hinterliess auch ein reiches kulturelles Erbe. Bis heute erinnern die islamischen Bauten von Córdoba, Sevilla oder Granada an die einstige Hochblüte von al-Andalus, als ein transkultureller Austausch zwischen Muslimen, Christen und Juden die Kunst und Wissenschaft beflügelten. Im Zentrum des Projektes steht eben jener Austausch, der ab dem 17. Jh. im Fokus einer rezeptiven Kunsthaltung stand. Inwiefern hat sich das Bild von al-Andalus und dessen architektonischen Erbes über die Jahrhunderte verändert? Welches war die künstlerische Motivation, welches die sozio-politischen Gründe für Übernahmen aus einem anderen Kulturkreis. Und wie sahen diese islamischen Repliken schliesslich aus? Mit dem Projekt soll auf die Vielschichtigkeit transkultureller Austausche im mittelalterlichen und neuzeitlichen Europa hingewiesen, die Problematik allzu enger fachlicher Grenzen innerhalb eines im Wandel begriffenen Weltbildes kritisch hinterfragt und eine mögliche Neupositionierung der islamischen Kunstgeschichte diskutiert werden.

Forschungsmethoden

Das Projekt verfolgt einen interdisziplinären Ansatz, bei dem fächerübergreifende Untersuchungsmethoden ebensolche Aussagen generieren sollen. Hierzu werden von Seiten der Kunstgeschichte detaillierte Analysen ausgewählter Bauten durchgeführt. Durch die Miteinbeziehung islamwissenschaftlicher Methoden und Fragestellungen soll zudem eine über die Kunstgeschichte hinausgehende Sichtweise eröffnet werden, die dem Projekt eine zusätzliche Dimension verleiht.

Keywords

Córdoba, Sevilla, Toledo, Granada, Alhambra, transkultureller Austausch, Mudéjar, maurisches Revival, Moschee, Synagoge