Lead
Kreativität ist essentiell für die Generierung neuen Wissens und neuer Artefakte, respektive Kunstwerke. Ihre direkte Erforschung ist problembehaftet. Ihre indirekte Erforschung über die Analyse historischer Maschinenkunstprojekte eröffnet neue Zugänge und Perspektiven auf das aktuelle und brisante Verhältnis von Kreativität, kultureller Innovationen sowie neuen Technologien und Automatisierung.

Lay summary

Nach heutiger Auffassung geschieht Kreativität im Zusammenspiel von Menschen, Dingen und Handlungen. Insbesondere findet sie im Verbund mit Maschinen wie dem Computer und der Automatisierung statt. Solcherlei arbeitsteilige Situationen zur Hervorbringung von Neuem werfen Fragen auf: Welche Rolle spielen Medien, Maschinen und Automatisierung dabei? Wer ist der Erfinder bzw. Autor? Und: Ist die Automatisierung von Kreativität möglich? Das Gesagte gilt gleichsam für Kunst, Design und Architektur und ihre kulturellen Innovationen. Weil die direkte Erforschung von Kreativität problembehaftet ist, kommt der Rekonstruktion und Analyse von vergangenen Kreativprozessen große Bedeutung zu.

Hier setzt das kunsthistorische Forschungsprojekt an: Durch die Analyse von Maschinenkunstprojekten des 20. und 21. Jahrhunderts wird Kreativität indirekt über die Künste untersuchbar, gelten Künstler doch als Kreative par excellence. Es soll herausgearbeitet werden, dass und wie drei Aspekte des Kunstschaffens kritisch reflektiert werden, die ebenso im Kreativitätsdiskurs als maßgebliche Bestimmungsgrößen gelten: das Subjekt, die beteiligten Medien sowie die Prozesse. Die Fallbeispiele sollen (im Sinne der ANT) als Mensch-Maschine-Medien-Netzwerke aufgefasst werden, um den Eigensinn und die Beziehungen aller involvierten Aktanten und subjekttheoretische Implikationen mitzudenken. Zusammengedacht werden sollen diesbezüglich erstmals Kunstrichtungen mit (elektro-)mechanischen, digitalen und papiernen Maschinen.

Eingesetzt werden Methoden der Kunst-, Bild- und Medienwissenschaft, insbesondere der Schriftbildlichkeit und Diagrammatik. Verfolgt wird eine praxeologische Perspektive.

Ziel ist es, die Maschinenkünste historisch-systematisch zu erschließen und an den Kreativitätsdiskurs anzuschließen. Die zu gewinnenden Einsichten besitzen für die Theorien der Schaffensprozesse, der Zeichnung sowie der Medien und nicht zuletzt für die aktuelle Mensch-Maschine-Debatte Relevanz.