Lead
Die Diskussionen um Machbares, Nützliches und Sinnvolles an den Grenzen des Lebens stellen ein zentrales Feld der medizinethischen Debatte dar. Die Frage, wann eine lebensverlängernde Behandlung klar keinen Nutzen mehr hat und eine bestmögliche palliative Therapie allein den Vorrang haben sollte, ist allerdings oft schwierig zu beantworten. Am Beispiel eines der neuesten lebensverlängernden intensivmedizinischen Verfahren, der extrakorporalen Membranoxygenierung (ECMO), leistet das Projekt einen Beitrag zu dieser Debatte.

Lay summary

Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts

Die ECMO ist eines der neuesten lebensverlängernden intensivmedizinischen Verfahren für sehr schwer kranke Patienten. Die ECMO erlaubt, bei sehr schlechter/ausgefallener Lungen- und/oder Herzfunktion diese Organe für eine gewisse Zeit zu überbrücken und den Patienten auf der Intensivstation zu stabilisieren. Die Zahlen von Patienten an der ECMO steigen in den letzten Jahren rapide an, ebenso werden die Indikationen für ECMOs zunehmend erweitert, ohne dass für alle Indikationen eine klare Evidenz vorliegt. In vielen Fällen sterben Patienten trotz wochenlanger ECMO. Die Patienten sind unter der ECMO nicht notwendig sediert, d.h. manche erleben die Situation zeitweilig bei vollem Bewusstsein.

Die Ziele des Projekts bestehen darin, die Normen, Werturteile und Handlungsabsichten der mit der ECMO betrauten Berufsgruppen (Intensivmediziner, Herz-/Thoraxchirurgen, Kardiologen und Kardiotechniker) bezüglich der Kriterien, einen Patienten (nicht) an die ECMO zu nehmen, oder die ECMO abzubrechen und auf eine palliative Therapie umzustellen, über ein Experiment zu ermitteln. Die über das Experiment ermittelten Faktoren werden den gemäss Literatur tatsächlich evidenten Befunden zu Nutzen, Schaden und Anwendbarkeit gegenübergestellt.

 Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

Das Projekt leistet einen Beitrag zur wissenschaftlichen Debatte über die Aussichtslosigkeit medizinischer Massnahmen am Beispiel der ECMO Therapie. Darüber hinaus wird ein Beitrag zur ethischen Debatte über derzeitige medizinethische Konzepte von medizinischer Aussichtslosigkeit weiter vorangetrieben und ggf. neue ethische Fragestellungen, zum Beispiel in Bezug auf die Allokation knapper Ressourcen identifiziert. Die Ergebnisse des Forschungsprojekts lassen sich in den klinischen Alltag von ECMO Anwendern, etwa in Form von Guidelines, integrieren.