Lead
Das Projekt befasst sich mit einem der wichtigsten politischen und sozialen Konflikte der Schweizer Geschichte des 20. Jahrhunderts, dem schweizerischen Landesstreik vom November 1918. Es strebt eine Erweiterung und Vertiefung der historischen Forschung in zwei Richtungen an: (1.) durch eine transnationale Perspektive sowie (2.) eine stärker an Ängsten und Emotionen interessierte kulturhistorisch ausgerichtete Streikforschung.

Lay summary

Inhalt und Ziel des Forschungsprojektes:

Bis heute gilt der schweizerische Landesstreik als eine der schwersten innenpolitischen Krisen seit der Gründung des Bundesstaates von 1848. Ausgehend von neuen Archivbe­ständen beschäftigt sich das Projekt erstens mit den Revolutionsängsten und Befürchtungen des Bürgertums und der zunehmend antisozialistischen Konfrontationspolitik nach 1918. Bis heute ist nur wenig über die Einschätzung der Ereignisse durch die Arbeitgeberverbände oder die Handels- und Industrievereine bekannt. Zweitens untersucht das Projekt die Transformation der Geschlechterverhältnisse und die Handlungsspielräume von Frauen in den Kriegs- und Nachkriegsjahren. Es fragt danach, in welchem Verhältnis die zunehmend destabilisierte Ge­sellschaftsordnung und die Destabilisierung der Geschlechterordnung zueinander standen. Drittens beschäftigt sich das Projekt mit zentralen Narrativen zur Geschichte des schweizeri­schen Landesstreiks und interessiert sich hier insbesondere für dessen geschichtspolitische Instrumentalisierung seit den Zwischenkriegsjahren.

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext:

Gesellschaftlicher und politischer Wandel wird heute vermehrt in seinen transnationalen Be­zügen gesehen. Ohne die Streiks und revolutionären Umbrüche in anderen Ländern in die Analyse mit einzubeziehen, bleibt auch der schweizerische Landesstreik unverständlich. Mit Blick auf die anstehenden Jubiläen werden diese Ereignisse in den nächsten Jahren eine hohe wissenschaftliche Aufmerksamkeit erhalten. Für das vorliegende Projekt sind dies sowohl mit Blick auf die mediale und öffentliche Wahrnehmung als auch die internationale Vernetzung ideale Voraussetzungen.