Lead
Eiskerne aus Grönland und der Antarktis sind einzigartige Archive vergangener Klimaänderungen. Sie erlauben, unter anderem, die Rekonstruktion von Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre und die Charakterisierung von schnellen Klimaschwankungen. Eiskerne zeigen, dass die heutigen Treibhauskonzentrationen der Atmosphäre weit über den Grenzen der natürlichen Schwankungen der letzten 800'000 Jahre liegen. Eiskerne aus Grönland sind besonders geeignet, Hinweise auf Änderungen der atmosphärischen Zirkulation und den charakteristischen Klimamoden in der Vergangenheit zu liefern. Dies ist anhand höchst-auflösender chemischer Analysen des Eises möglich. Das Projekt ermöglicht die Teilnahme der Schweiz am internationalen Bohrprojekt EGRIP in Grönland und die detaillierte kontinuierliche Analyse der letzten 10'000 Jahre.

Lay summary

Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts

Durch die zeitlich höchst-auflösende Analyse von chemischen Spurenstoffen im Eis, soll die Zirkulation der Atmosphäre, insbesondere die Strömung um und nach Grönland eingegrenzt werden. Dazu werden acht Grössen (Na+, Ca2+, NH4+, NO3-, H2O2, HCHO und Felabile), sowie die Leitfähigkeit im kontinuierlichen Schmelzverfahren gemessen. Der Fokus liegt in der Analyse der letzten 10'000 Jahre in jahreszeitlicher Auflösung. Damit wird zum ersten Mal eine kontinuierliche Datenreihe von chemischen Indikatoren über das gesamte Holozän erarbeitet. Das ermöglicht eine viel detailliertere Information über natürliche Klimaschwankungen und deren atmosphärischen Ausprägung in der laufenden Warmphase.

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext des Forschungsprojekts

Die Kenntnis von Grössen, die durch die atmosphärische Zirkulation beeinflusst sind, über die letzten 10'000 Jahre erzeugt ein tieferes Verständnis natürlicher Klimaschwankungen über Grönland und, in Verbindung mit der gross-skaligen Zirkulation, der gesamten Nordhemisphäre. Diese Datensätze werden zur Überprüfung von Eigenschaften von Klimamodellen herangezogen, die den natürlichen (letzte 10'000 Jahre) und zukünftigen Verlauf des Klimas simulieren.