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Das deutsch-schweizerische Editionsprojekt „Der späte Nietzsche“ veröffentlicht Friedrich Nietzsches Nachlass von Frühjahr 1885 bis Januar 1889 erstmals integral und manuskriptgetreu. Diese Heft- und Mappenedition erscheint seit 2001 als Abteilung IX im Rahmen der von Giorgio Colli und Mazzino Montinari begründeten Kritischen Gesamtausgabe der Werke (KGW).

Lay summary

Ziel des deutsch-schweizerischen Gemeinschaftsprojekts „Der späte Nietzsche“ ist die Manuskriptedition von Friedrich Nietzsches (1844-1900) handschriftlichem Nachlass von Frühjahr 1885 bis Januar 1889. Sie erscheint als Abteilung IX im Rahmen der Kritischen Gesamtausgabe der Werke (KGW).

Nietzsches später Nachlass, aus dem dessen Schwester Elisabeth Förster-Nietzsche das Phantom-Werk „Der Wille zur Macht“ (1901 bzw. 1906/11) kompiliert hat, wird erstmals in seiner Gesamtheit manuskriptgetreu als Heft- und Mappenedition publiziert. Dadurch wird zum einen das Ausmaß jener in der Editionsgeschichte beispiellosen Werkfälschung transparent gemacht, zum anderen der Nietzscheforschung eine gesicherte und vollständige Textgrundlage zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus wird in exemplarischer und innovativer Weise an einem umfangreichen und komplexen Nachlassmaterial die Leistungsfähigkeit von Manuskripteditionen aufgezeigt.

Mit der differenzierten Transkription und digitalen Faksimilierung der nachgelassenen Handschriften ab Frühjahr 1885 sowie einem editorischen Nachbericht schließt die Abteilung IX die Edition und Kommentierung des späten Nachlasses in KGW ab. Vorrangige Absicht ist es, die Manuskripte integral wiederzugeben und den typischen Notatcharakter der Aufzeichnungen zu dokumentieren. Statt (wie in bisherigen Ausgaben üblich) durch Konstituierung geglätteter Lesetexte in vielen Fällen einen falsch-eindeutigen Text zu bieten, werden in diplomatischer Umschrift auch Korrekturvorgänge, Streichungen, spätere Überarbeitungen etc. wiedergegeben. Die ursprüngliche Anordnung der Aufzeichnungen wird beibehalten. Die topologische Darstellungsweise ermöglicht dadurch neue Einsichten in den Schreibprozess und die Textgenese beim späten Nietzsche.

Aktuell in Bearbeitung sind Nietzsches Arbeitsheft W II 10 und die späten Aufzeichnungen in diversen früheren Heften sowie die späten Aufzeichnungen auf losen Blättern in den Mappen Mp XIV-XVI.