Lead
Anhand der exemplarischen Untersuchung einer höheren Bildungsinstitution im spätkolonialen Indien leistet das Projekt einen Beitrag (a) zur kritischen Neubeurteilung der Sozial- und Kulturgeschichte indischer (Sub-)Nationalismen, (b) der Geschichte von transkulturellem Wissenstransfer (c) der transkulturellen Geschlechtergeschichte.

Lay summary

Das Projekt untersucht die Geschichte des Khalsa College in der britisch-indischen Provinz Panjab als Ort der Aushandlung religiöser, politischer und pädagogischer Agenden von den 1890er-Jahren bis ca. 1950. Das College wirkte als Plattform für die Diskussion kontroverser religiöser und politischer Ideen und spielte im Kontext zunehmend bedeutenderer religiös und ethnisch motivierte Identitätspolitiken eine wichtige Rolle. Eine detaillierte Analyse dieser Einrichtung verspricht interessante Einsichten, ermöglicht das Vorhaben doch die Untersuchung globalen Wissenstransfers und der Zirkulation pädagogischer Methoden sowie die Rekonstruktion historischer Transformationsprozesse von politischen, religiösen und Gender-Identitäten auf einer überschaubaren Mikroebene. 

Das Khalsa College wird dabei auf drei miteinander verknüpften analytischen Ebenen untersucht. Zum einen rekonstruiert es den gesellschaftlich-politischen Kontext, in welchem sich das College bewegte. Besonderes Augenmerk in der Analyse wird auf die (Neu-)Formulierung einer distinkten Sikh-Identität gelegt, wie sie insbesondere im frühen 20. Jahrhundert rege diskutiert wurde Auf einer zweiten Ebene beschäftigt sich die Studie mit den konkreten Wissensinhalten, welche die Bildungseinrichtung seinen Schülern zu vermitteln versuchte und den Formen Ihrer Vermittlung Die Analyse der curricularen und der extracurricularen Dimension von Bildung wird schliesslich auf einer dritten analytischen Ebene kombiniert durch eine Betrachtung der vermittelten Normen und Werte Die Studie will v.a. herausarbeiten, inwiefern das Khalsa College an der Propagierung und Festigung von Selbstrepräsentationen der Sikhs als maskuline ‚martial race‘ beteiligt war.

Das Projekt leistet einen Beitrag einerseits (a) zur kritischen Neubeurteilung der Sozial- und Kulturgeschichte indischer (Sub-)Nationalismen, (b) der Geschichte von transkulturellem Wissenstransfer (c) der transkulturellen Geschlechtergeschichte.